Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 5-6 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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SS unter den Juden, machte ich auch eine Mittheilung über die Aufregung, welche die erwartete Ankunft ihres wohlthätigen Freundes und Beschützers, Sir Montefiore, unter ihnen hervorgerufen hatte, welcher, wie sie glaubten, mit hinlänglichen Mitteln und vollkommener Macht versehen kommen werde, um die Noch ihrer Gemeinde zu lindern und ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Die natürliche Wirkung solcher Erwartungen war, daß sie sich vom Umgänge mit Christen zurückzogen und dagegen fest zusammen hielten in der gemeinsamen Hoffnung der Wohlthaten, welche sie aus den Händen ihres einflußreichen Landsmannes erhalten sollten. Es fand daher eine Zeitlang eine bemerkbare Abnahme des Besuches des Hospitales statt von Seiten jüdischer Patienten, besonders der ärmeren Klasse, obschon ich denen, mit welchen ich auf freundschaftlichem Fuße stand, die Gerechtigkeit wiederfahren lassen muß, daß sie ihre Unabhängigkeit bewahrten und mit mir öffentlich denselben Umgang aufrecht erhielten, wie zuvor. Diese Zeit dauerte jedoch nicht lange. Die Juden wurden in ihren Hoffnungen getäuscht, und daö konnte auch nicht anders sein; denn die Pläne des Sir Moses Montefiore, sie durch Schulen, Fabriken und den Ackerbau zur Thätigkeit heranzubilden und daran zu gewöhnen, entsprachen nicht nur nicht ihren Wünschen, sondern stießen auf entschiedenen Widerspruch. Die Rabbinen waren alle für die Erhaltung der gegenwärtigen Ordnung der Dinge und verlangten die Mittel dazu, während die Armen nur nach Hülfe sahen, um sich die nöthigsten Lebensbedürfnisse zu verschaffen. Die Täuschung war allgemein, und alle Partheien äußerten öffentlich ihre Unzufriedenheit. Wenn ich eine Meinung über die Sache abgeben sollte, so würde ich sagen, daß die Ansichten Sir Moses Montefiores, obschon in Abstracto sehr rationell und aufgeklärt, durchaus weder für diejenigen geeignet sind, deren Wohl sie bezwecken, noch zu den Verhältnissen des Landes, in welchem sie leben, paffen. Der wahre Charakter der Juden in den vier heiligen Städten Palästinas, ist der so vieler religiösen Gesellschaften. Obschon sie nicht in die Mauern eines Klosters eingeschlossen, noch durch klösterliche Gelübde gebunden sind, so fühlen sie sich doch als Bewohner des heiligen Landes, ganz besonders zur strengsten Beob-