Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 5-6 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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84 ben gekommen sind, noch als wilde Bäume dastehen. Sind nun aber alle, „die Menschheit", also die Heiden nicht minder als Israel, „am Baume des Lebens", so ist die Frage: was kann und will denn Israel noch thun, um die Völker zu sich zu bringen? Ist es nicht Unsinn, da noch von einer „Mission der Juden" an die Völker zu sprechen? Kann denn ein Apfel am Baum etwas dazu thun und beitragen, daß ein andrer reife? Und sagt nicht der Vers, selbst, „die Menschheit soll am Baum deS Lebens frei reifen"? Es scheint, daß der Verfasser selbst noch nicht im Klaren ist mit seinem Misstonsgegenstande. — Aus diesem Gesänge lernen wir aber auch noch etwas Neues, nämlich dies, daß die Egypter die Israeliten zwingen wollten den egyptischen Götzendienst anzunehmen; denn es heißt: „EinstenS wohnten'unsre Väter in dem fernen Land der Mizrim, diese wollten unsre Ahnen zwingen, vor dem schwarzen Stiere Apis opfernd sich zu beugen, vor dem Sperberkopf Osiris und der Katze bärtgem Haupte. Da sie dies nicht sind gewilligt, sprechend: unser Vater Abrah'm nur des Weltalls Einen Schöpfer, Richter dieser ganzen Erde, anzubeten uns geboten — knechtet Pharao sie grimmig unter Lastarbeit und Geißel, und die neugebornen Knäblein wirft er in des Stromes Wellen". In unsrer Bibel haben wir bisher nur gefunden, daß Pharao fürchtete, Israel möchte sich zu stark vermehren, und darum gab er den Befehl sie mit Arbeit zu drücken, die Knäblein bei der Geburt zu tödten u. s. w. — In welcher Bibel steht es denn, daß „Judas Völklein, Gotte jubelnd, in die Wüste gezogen sei, von dem Sieg der Glaubensfreiheit allen Zeiten Zeugniß gebend" —? Und wer sind denn heute die Pharaonen und die Mizrim, die, wie der Dichter singt, noch dasselbe thun, wie jener Pharao? „Doch der Pharaonen Weise starb nicht aus, zum eignen Glauben Andre mit Gewalt zu zwingen, bald mit Tod und bald mit Knechtschaft Andersgläub'ge zu verfolgen, um den seinigen zu ehren, Andern Schmach und Druck zu geben. Immer neue Pharaonen, immer andre Mizrim standen wider uns auf, wider Andre. — Noch ist nicht des Glaubenszwanges, Glaubenskrieges Ziel zu sehn." Nun hier ist der Verfasser offenbar nicht mehr vor Liebe blind, hier ist die Liebe, in welcher er oben sang, daß Alle, wel-