Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 5-6 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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83 Sprichwort an unserm Harfenspieler denn auch bewahrheitet. Beim folgenden, 'dem neunten, Gesänge, in welchem die „Glaubenstreue" Israels besungen wird, die sich, man lache nur nicht über die erhabene oder tiefe Idee, in dem „jährlichen Backen und Essen der Mazzoth" bewährt, scheint der Verfasser Anfangs noch in seinem sanften Liebesschlummer mit geschlossenen Augen zu liegen; denn da singt er noch gar lieblich von sich und seinem Volke: „Daß nicht mit des Geistes Herrschaft wir auch äußerlich zu herrschen und zu unsrer Lehr zu zwingen Andre suchen, da die Menschheit, frei am Baum des Lebens reifend und aus innerm Drang nach Wahrheit immer mehr sich Juda nähern soll, was wir im Innern bergen ganz und rein durch die Jahrtausend zu bekennen Eine Zunge." Nach diesen Worten — die letzten sind uns sehr dunkel — ist also die Bekehrung der Völker zu Judas Lehre ein „freies Reifen", das „aus innerm Drang nach Wahrheit" allmählich so von selbst kommt, wie das Reifen einer natürlichen Frucht am Baume. Die Völker sind also eben so „am Baum des Lebens", wie Israel, ziehen also denselben Saft aus dem Stamm, wie Israel, stehen unter demselben Einfluß, wie Israel, und wie dies immer mehr und mehr frei reift, so daß cs, wie früher die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" berichtete, vom Mosaismus zum Prophetismus, von diesem zum Talmudismus, und vom Talmudismus nun schon zum geschichtlichen Judenthum herangereift ist: so sollen die Völker auch frei heranreifen. Da müssen wir sagen, daß wir nicht wissen, ob Israel seinen Prozeß des Reifens schon ganz durchgemacht hat, oder ob es jetzt noch eine saure Frucht ist? Jes. 5, 2. 4. „ Mazzoth backen und essen" sie; „ganz und rein" haben sie „im Innern geborgen" das ihnen anvertraute Gut, was fehlt, möchte man da fragen, noch zur Reife? Uebrigens ist uns das etwas ganz Neues, daß wir Heidenvolker an demselben „Baum des Lebens" sind wie Israel. Wir waren bisher andrer Meinung und betrachteten Israel, um in einem ähnlichen Bilde der Bibel zu reden, als den guten Oelbaum, und uns als wilde Pflanzen; nur diejenigen Heiden, die zum Glauben an Christum gekommen sind, als in den Oelbaum eingepfropfte Zweige, während die andern Heiden, die noch nicht zu diesem Glau- 6*