Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 5-6 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Liebe geschieden". So singt „der Sänger aus Juda", der den Gesang, den Andere gesungen, berichtigt. Hier also soll nun doch die reine, klare, Wahrheit sein. Wenn dem aber also ist, wenn „Alle, weß Glaubens sie seien", dennoch „an Gott den gleichen Antheil besitzen", wenn „Alle zu der Unsterblichen Sitzen kommen" — wir bekennen, nicht zu verstehen, was unter den „Sitzen der Unsterblichen" gemeint ist; sollen es etwa Götter sein, die „der Sänger aus Juda" kennt? Wir wollen indeß den Ausdruck allgemein fassen und unter „den Sitzen der Unsterblichen" die Seligkeit verstehen — wenn also, wie es nach diesen Worten scheint, Alle dereinst, was auch ihr Glaube sei, zu gleicher Seligkeit kommen, wozu dann noch eine „Sendung Israels" an das Menschengeschlecht? Wir vermögen auch nicht den tiefen Sinn und die Bedeutung der Worte zu fassen, „Alle wurden, was sein Rathschluß beschieden, nicht nach Satzung und Grenzen seiner Liebe geschieden". Wenn Alle nach dem Rathschluß Gottes wurden, was sie sind, und doch nicht nach Satzung und Grenzen seiner Liebe geschieden wurden, wie sind sie denn geschieden worden? In einem frühern Gesänge hörten wir schon, daß am Schöpfungsmorgen unsrer Erde bereits die Ahnen aller Völker um des Ewigen Thron erschienen und dort ein Jeder empfing, was er sein, haben und werden sollte. Sind die Menschen nun, was sie sind, nicht nach dem Rathschluß Gottes, so ist das den offenbaren Worten unsers Dichters entgegen; da er klar sagt: „Alle wlirden was sein Rathschluß beschieden" u. s. w.; sind sie aber das, was sic sind, nach dem Rathschluß Gottes, was will denn da „die Mission der Juden" bezwecken? Diesem Rathschluß Gottes entgegen etwas Anderes zu schaffen? Somit hätte ja unser Missionssänger seine Mission weggesungen, die er mit Harfe und Leier, mit Sang und Klang so feierlich seinem Volke und der ganzen Menschheit ein singen will! Das ist ein fatales Ding, wenn Einem so Etwas begegnet. Man denke aber nur an das bekannte Sprichwort, daß Liebe blind macht. Nun beim süßen Gesang der Liebe sind unserm Sänger, der ja doch auch nur ein Mensch ist, von dem also natürlicher Weise das Menschliche nicht entfernt sein kann, und dem daher auch Menschliches begegnet, die Augen ein Wenig zugesallen, und so hat sich das