Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 5-6 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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80 Moses, Elias, JesaiaS und die ganze Schaar der Propheten, unbeirrt mit seiner Leier keck einherschreitet und nicht müde wird zu leiern : Mögt ihr alle sagen, was ihr wollt, mag Gott vom Himmel noch so oft und mit gewaltiger Hand durch seine Gerichte bezeugen, daß Israel ein sündiges Volk ist, ich kümmere mich nicht darum, ich singe mit wie Israel schreit: Wir hören, wir thun. Vielleicht wird zuletzt Gott abermal, wie er nach der Erzählung des Talmuds schon einmal gethan, seinen Ausspruch für nichtig ansehen und erklären müffen: Nazchuni bonai! meine Kinder haben mich überwunden! Wenn das nicht die allergemeinste und gottloseste Frechheit ist, so sage man, was es sonst sein soll? Und Israel nimmt solche gotteslästerlichen Lügen hin und lobhudelt wohl noch seinen Lobhudler?! Aber das ist ja eben das Zeichen der Lügenprediger, daß sie singen, reden, schreiben, predigen, dichten, erdichten, lügen: Friede, Friede, und ist doch kein Friede! Ueber den sechsten Gesang, in welchem die Lehre von der Einheit Gottes besungen und dagegen die Nichtigkeit aller andern Lehren dargethan werden soll, wollen wir nur bemerken, daß damit wohl der Inhalt der Botschaft Israels an die Völker angegeben sein soll. Wir müssen aber dann sagen, daß wir Christen keinen andern Gott kennen, „als den einigen, einzigen und heiligen" Gott, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Wir sind keine Götzendiener, die an mehrere Götter glauben; im Neuen Testament steht es eben sowohl als feste unumstößliche Wahrheit: Höre, Israel, der Herr unser Gott, ist ein einiger Gott, wie im alten, und wer außer dem einigen Gott noch einen andern hat, der ist kein Christ. Wir wissen aber auch, daß uns die heilige Offenbarung Gottes mit einer so kahlen, kalten und trockenen Lehre, wie sie von vielen heutigen Juden aufgefaßt und behauptet wird, nicht abgespeist hat. Sollte und wollte dieser Eine Gott uns weiter nichts offenbaren, als nur diesen einen Gedanken: es giebt Einen Gott, wozu bedarf es da der 5 Bücher Mösts, der Propheten und Lehrbücher im Alten Testamente? Und unsre jüdischen Brüder können wir noch fragen: wozu bedarf es denn eines so bändereichen Werkes, wie der Talmud ist? Wir können unmöglich alles Andere, was außer diesen paar Wor-