Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 5-6 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Hispanien, fraget Rom, fragt des deutschen Kaisers Walten, fraget Polens Weichselstrom, Gallien sah, was sie gelitten, und das Land der freien Britten. — Doch ob Schmach und Scheiterbrand, höher heben sie die Hand: Lassen sie uns niemals ruhn, immer hören wir und thun." Unser Missionsprediger fragt also die ganze Welt, ob nicht Israel ein gehorsames Volk sei, und alle Welt, meint er, muß es bejahen; nur Einen hat er nicht aufgefordert sein Zeugniß mit in die Wagschale zu legen, aber dieser Eine würde uns mehr gelten, als alle Welt, wenn sie auch des Dichters Meinung wäre; dieser Eine aber hat unaufgesordertvom Dichter ein Zeugniß abgelegt, und er ruft Himmel und Erde auf sein Zeugniß zu hören und zu vernehmen, wieJesaias 1 zu lesen: „Höret, ihr Himmel und Erde, nimm zu Ohren, denn der Herr redet. Wenn es. bisher noch zweifelhaft gewesen wäre, was man von diesen „von Gott und für Gott geweihten Harfenklängen" halten sollte, so wird durch diesen Gesang aller Zweifel gehoben, und sie erweisen sich nach demselben als ein würdiges Seitenstück zu dem fliegenden Briefe, den der Prophet Sacharias sah und von dem der Herr sprach : Das ist der Fluch, welcher ausgehet über das ganze Land; denn alle Diebe werden nach diesem Briefe fromm gesprochen, und alle Meineidige werden nach diesem Briefe fromm*) gesprochen. Sach. 5, 3. Dieser Fluchbrief der „Harfxnklänge" soll ja auch, wie der Verfasser im Eingänge sagt, „durch die Länder schreiten" und also dem in Sacharia entsprechen; er entspricht ihm auch vollkommen in dem andern Stück, denn nicht nur Diebe und Meineidige werden in diesem Gesänge der Harfenklänge fromm gesprochen, sondern alle Sünder, sie mögen Namen haben, wie sie wollen. Am Sinai, wo Israel das goldene Kalb anbetete, tönte sein Wort kurz und hehr: „„Wir hören und thun"". Daß Israel hier sein Wort „kurz tönen" ließ, ist nicht zu verwundern; denn am Sinai galt es einen „kurzen" Entschluß zu fassen, da ja nach der Erzählung des Talmuds Gott, der Gesetzgeber, einen mehrere *) Wir haben hier die luther. Uebersetzung beibehalten, die das hebr. Wort npj in der gewöhnlichen Bedeutung von rein, unschuldig sein nimmt.