Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 5-6 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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71 Kammern wird doch zum Jubel jedes Jammern, und in der Wahrheit langem Kriege die Niederlage selbst Mi Siege; mein Werk ist für der Zeiten ganze Reihn und an ihm werd ich ewig sein, ich werde stehzi auf meiner Feinde Trümmern mit neuem Morgen nach des Abends Schimmern . . . Drum sende mich, Herr, keinen andern, ich kann nicht anders, sollt ich immer wandern." So unser Harfenspieler. Moses, der treue Knecht Gottes, mit dem der Herr redete von Angesicht zu Angesicht, wie ein Freund mit dem andern, wurde solcher Offenbarung nicht gewürdigt, wie der „Frühling" unserm Verfasser beschert haben muß. Denn sonst, woher weiß er denn, daß „am Schöpfungsmorgen aller Völker Ahnen um des Ewgen Thron erschienen" seien? Woher weiß er denn, daß Abraham sich für sich und sein Volk diesen Missionsberuf so unwiderstehlich erbeten habe, wenn er auch als „ ewiger, verhöhnter und verbannter Wanderer" demselben nachgehen müsse? In der Bibel hat er es wohl schwerlich gefunden. Offenbar soll doch aber mit der ganzen Dichtung — Erdichtung — Lüge nur gesagt werden, daß Israel in seiner gegenwärtigen Lage, in seiner 18Ü0jährigen Wanderschaft und Verbannung nicht etwa um seiner Sünden willen gestraft ist, und als verhöhnter Wandrer nur leidet, was es sich selbst durch seinen Ungehorsam gegen Gott zugezogen hat, sondern daß es in seinem Missionsberuf als Märtyrer der Wahrheit dasteht, daß es als treues und gehorsames Missionsvolk eben so ungerechter und unschuldiger Weise von den Völkern leidet, wie einst die wahren Propheten unter Israel allerlei Verfolgung, Schmach und Hohn zu erdulden hatten. Daß dies des ^Dichters Meinung ist geht noch klarer und deutlicher aus dem fünften Gesänge hervor, in welchem der begeisterte Sänger seine Frechheit und Gottlosigkeit noch höher treibt, indem er die Geschichte Israels von der Gesetzgebung am Sinai an bis auf unsre Tage besingt und überall und immer nur ein treues, unschuldiges, gehorsames Volk erblickt, das „ewig" in seinem Berufe ist, an dem kein Tadel zu finden, sondern das sein am Sinai gegebenes Versprechen: „Wir wollen thun und hören" gewissenhaft gehalten und nie übertreten hat. Denn am Schluß dieses Gesanges fragt er: „Ob sie ihren Schwur gehalten? Fragt