Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 5-6 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554669-2554673--02469-2558340- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
75 „Lust", sondern nur mit „Graus" betrachten kann, denn das ist ein Fortschritt, wie ein anderer Dichter ihn schildert: „Da werden Menschen zu Hyänen." Aber dann, was die Hauptsache ist: Da Israel aus Egypten zog, da war es ein Ausziehen mit „Lust", denn da war Gott mit ihnen, zog vor ihnen her, stritt für sie, leitete sie, da konnte Israel „mit Lust" singen; aber bei den Ereignissen, und besonders bei dem ersten und letzten der drei erwähnten, wo Israel wie ein „Strom von Land zu Lande floß", stritt der Herr gegen sie, und streitet noch gegen sie; denn in dem Allen läßt sein Zorn nicht ab, sondern seine Hand ist noch ausgereckt, Jes. 5, 25. Wer hat Jakob übergeben zu plündern, und Israel den Räubern? Hat eS nicht der Herr gethan, an dem wir gesündigethaben? Und sie wollten auf seinen Wegen nicht wandeln und sie gehorchten seinem Gesetz nicht. Darum hat er über sie ausgeschüttet den Grimm seines Zornes und eine Kriegsmacht; und hat sie umher angezündet; aber sie merken es nicht; und hat sie angcsteckt, aber sie nehmen es nicht zuHerzen. Jes. 42, 24. 25. — und das besingt ein jüdischer Dichter als ein „Fließen mit Lust?" Er besingt es als ein erfreuliches Ereigniß, „da der Strom," nachdem er viele Strecken durchmeffen jach zum Meere wird, wie er um alle Länder wallt ewig, klar und hehr" —? Heißt das nicht der Zorngerichte Gottes des Allmächtigen spotten? heißt das nicht gradezu Gott zum Sünder, zum ungerechten, grausamen Tyrannen machen, wenn dieses Israel „ewig klar und hehr hinwallt?" Denn das, was die Affyrer, Babylon und die Römer über Israel gebracht, das erklärt Gott für seine Hand, für seine Strafe». Wer eine solche Sprache führen, oder derselben in seinem Herzen beistimmen kann, der ist in einem so bedauerlichen Zustande, wie jener Pharao, der da sagte: Wer ist der Herr, des Stimme ich gehorchen sollte? Die Geschichte dieses Pharao aber und dasN. T. sagt: Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten. Bei solcher Verhöhnung, bei solcher Lästerung gegen Gott können wir das übrige Gewäsch dieses Gesanges mit Stillschweigen übergehen, zumal dasselbe später wieder vorkommt. Daß es aber fades Gewäsch ist, wird jeder selbst erkennen, wenn er es