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Dibre Emeth · 1856-01-01 · 5-6 (1856) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
12 (1856)
Issue
5-6 (1856)
Date
1856-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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74 teserkenntniß gekommen. Wir fragen aber wieder, wo ist denn in der Erzählung , die uns die Bibel darüber giebt, eine Erwähnung oder Andeutung, daß Abraham wie in Verzweiflung ansgerufen habe: „Ha! was bewegt mich — wär ich lieber Thier?" oder daß er in solchem Ringen, wie der Dichter ihm andichtet, zum Licht gekommen fei? Jemand, der die Wahrheit der biblischen Erzählung nicht glaubt und nicht glauben will, dafür aber die abgeschmackte Legende des Talmuds für baare Münze hält und sie als tiefe Weisheit noch besingt, kann allerdings mit seiner Leier so etwas hererzählen, aber nicht müder „von Gott und für Gott geweihten Harfe Zions." Im dritten Gesänge schildert der Verfasser Israel unter dem Bilde einer „in Ur zu Tage gekommenen stillen Quelle." „In Mizr", d. i. Egypten, „dehnt sie sich zum Flusse" aus „und wallet viele Jahre in Canaan männiglich." Und nach dem weitern Gesang des Dichters zu urtheilen, muß Israel eben so herrlich, ja noch herrlicher aus Canaan wieder herausgegangen sein, als sein Eingang nach Canaan war; denn er singt: „Dann fließt der Schwall von dannen in weite Flur hinaus, der Strom von Land zu Lande mit Lust und auch mit Graus, wird, da er viele Strecken durchmeffen, jach zum Meer" u. s. w. Nun sage doch ein Mensch, in dessen Herz und Gewissen nur noch ein Funken Liebe zur Wahrheit ist, ob dieses „Fließen deö Stromes" Israel aus Canaan heraus, so „mit Lust" erfolgt ist, wie der Verfasser singt? Wohl sagt er: „ mit Lust und auch mit Graus", aber was war denn für Lust unter Israel, als die 10 Stämme weggeführt wurden in eine Gefangenschaft, aus der sie noch nicht zurückgekehrt sind? Oder welche „Lust" war denn da zu sehen, als Juda nach Babylon geführt wurde? Oder was für „Lust" gab es denn bei der Zerstörung Jerusalems durch die Römer, als Tausende den Hungertod starben, Tausende gekreuzigt wurden, Tausende sonst auf die elendeste Weise umkamen, Tausende wie das liebe Vieh verkauft wurden, ganz Juda verjagt, vertrieben und zerstreut, der Tempel dem Boden gleich gemacht und Jerusalem gepflügt wurde? Wer in solchen Dingen eine „Lust" sieht, der kann nicht nur ausrufen: „Wir schreiten weiter", der hat schon Riesenfortschritte gemacht. Das sind aber Fortschritte, die man nicht mit

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