Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 3-4 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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55 Ich bin auf diese Einzelheiten eingegangen, meine geliebten Brüder, in der Absicht, Euch eine Vorstellung unserer, d. h. deHNissionare Stellung unter den hiesigen Juden zu geben, Wenn ich nun gefragt würde: „Welches ist die Beziehung der Mission zu diesem Stande der Dinge, oder inwiefern wird sie durch dieselbe berührt?" so würde ich sagen, daß man noch nicht erwarten kann, anhaltende Erfolge zu sehen; der unmittelbare Erfolg aber dieser Enttäuschung der Juden ist, daß ihre Vorurtheile entkräftet worden sind, daß die Missionare freieren Zutritt zu ihnen haben, ja, daß viele Juden jetzt zu uns kommen, welche früherhin uns kaum gestattet haben würden, uns ihnen zu nähern. Im Ganzen glaube ich, daß das Evangelium niemals in so ausgedehntem Maaße unter den Juden gepredigt worden ist, als im Laufe des gegenwärtigen Jahres, obgleich es wiederum mehr durch Unterredungen geschehen ist, als im freien Halten von Predigten, welche auf einmal den ganzen Rathschluß Gottes darlegen. Solche Predigten wurden in verschiedenen Sprachen gehalten, aber nur wenige Juden wollen zuhören. Im Laufe dieses Jahres wurden durch die Taufe sechs Israeliten in die christliche Kirche ausgenommen, drei Männer und drei Frauen, der niederen Klasse angehörend, welche Alle Proben der Aufrichtige keit ihres Glaubens mehr durch ihren ordentlichen Lebenswandel gaben, als durch eine erleuchtete Einsicht in die Lehre des Evangeliums. Gegenwärtig haben wir eine gute Anzahl solcher, welche nach der Wahrheit forschen im Unterrichte und noch viele mehr drücken ihren Wunsch aus, zur christlichen Kirche überzutreten, aber in Rücksicht auf die tiefe äußere Roth, in welcher sie befangen sind, finden wir es schwierig, ihre wirklichen, oder vielmehr ihre vorherrschenden Beweggründe zu entdecken; denn daß die Beweggründe der bei weitem größeren Anzahl derer, welche wir aufnehmen und unterrichten, gemischt sind, kann nicht geläugnet werden. Nach dem Beispiele Christi sollten wir nicht nur die Freiheit haben, sondern wir sollten es als unsere Pflicht betrachten, alle die aufzunehmen und zu unterrichten, welche willig find, christlichen Unterricht zu empfangen. Aber hier schließt das Aufnehmen und