Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 3-4 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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52 sation dieses Landes ungünstig. Dazu kommt als ungünstiges Moment für die Ausbreitung des Evangeliums die Schwierigkeit für das Volk, sich die Lebensbedürfnisse zu verschaffen; denn obgleich die Ernte nicht schlecht war, so ist doch in Folge der Ausfuhr der Preis aller Arten Nahrungsmittel übermäßig hoch. Unter solchen Umständen leiden die Juden, welche fast Alle von Almosen leben, die ihnen, und dies in immer kleinerem Maaße, von fernen Ländern geschickt werden, am meisten. Sogar in dem vergangenen Sommer und Herbste haben Tausende von ihnen schrecklich gelitten. Es ist herzzerreißend, die entnervten Väter und Mütter von Familien zu sehen und von ihnen zu hören, bis zu welchem Grade des DarbenS sie und ihre Kinder herabgekommen sind. DaS Bischen Hülfe, welches wir ihnen leisten können, ist nur wie ein Tropfen Wasser. ES war erst neulich, daß ein armer kranker Jude mir sein liebstes Kind, ein hübsches kleines Mädchen von ungefähr 8 Jahren, brachte und mir sie für immer zu überlassen anbot, weil er ihr kein Brot zu geben hatte. Ich war im Stande, ihm zu helfen und solcher Fälle giebt es mehr. „Es ist besser dem Herrn vertrauen, als sich verlassen auf Menschen. Es ist besser dem Herrn vertrauen, als sich verlassen auf Fürsten." Aber die armen Juden, welche den Herrn verworfen haben und, es ist schrecklich! Ihn noch verwerfen, können niemals wirklich ihr Vertrauen auf Ihn setzen; daher ihre unheilbare Neigung, ihr Vertrauen auf Menschen zu setzen, obgleich solches Vertrauen so oft getäuscht worden ist. Dies war nun wieder in diesem Jahre die traurige Erfahrung der armen Juden Jerusalems. Denn als sie wiederholentlich im Frühjahr hörten, daß Sir Moses Montefiore mit vielen tausend Pfunden, welche zu ihrer Unterstützung gesammelt worden waren, nach Jerusalem kommen sollte, da kannten ihre sanguinischen Erwartungen keine Grenzen. Immer wieder verbreitete sich das Gerücht, daß Sir Moses auf dem Wege von Jaffa nach Jerusalem begriffen sei — und bald war die Straße und die Umgebung der Stadt nach Jaffa zu mit Juden und Jüdinnen bedeckt, die begierig waren, ihn als ihren Befreier zu bewillkommen. Ihr Vertrauen wurde so stark, daß Viele den unterwürfigen Blick, welcher sie charakterisirt, ablegten und ihre Häupter erhoben. Ja, noch meht,