Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 12 (1856)
- Issue
- 1-2 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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21 bekannt worden, von einem katholischen Geistlichen geschrieben und im katholischen Kirchen- und Schulblatt für den Elsaß den Landleuten bestens empfohlen. Es wird daselbst „das Jud enbüchlein" genannt, das, „nachdem das Nachtessen vorüber und der Rosenkranz gebetet ist, öfters und fleißig und bedachtsam gelesen werden soll." Diese Anzeige von einem katholischen Geistlichen veranlaßte uns das Wucherbüchlein zu kaufen und zu lesen. Tiefer Schmerz ergreift die Seele beim Lesen dieser Blätter. Es wird darin in einer unwürdigen, sehr gemeinen Sprache der Schacher« und Wuchergeist der Juden geschildert, und es werden viele Beispiele angeführt von der Schlauheit derselben und von ihrem Reichthum, den sie sich durch die Dummheit der Bauern erworben haben. Leider enthalten diese Schilderungen nur zu viel Wahres und bezeugen es auf's Neue, daß bloße unbedingte Emancipation kein wahres Heilmittel für die Juden ist, wenn dieselben nicht mit guten Schulen und weisen Gesetzen Hand in Hand geht. Freilich Gesetze auf dem Papier allein thun es auch nicht, sondern nur wenn sie wirklich auch gehandhabt werden. Betrübend ist es aber, daß in unserer Zeit ein solches Büchlein in Frankreich geschrieben und von einem Geistlichen empfohlen worden ist, in welchem sich auch nicht ein einziges Wort des Bedauerns mit den Juden findet, viel weniger eine Anerkenntniß, daß die Christen durch ihre frühern unchristlichen Gesetze die Juden nöthigten, sich ihr Brot durch den Handel zu erwerben, da ihnen ja keine andere Beschäftigung gestattet war. Wenn es auch durchaus nicht die Absicht des Verfassers ist, durch seine gemeinen Beschimpfungen das Volk zu thätlicher Verfolgung und Mißhandlung der Juden aufzureizen, so streut er doch durch den ganzen bösen Ton, in dem er geschrieben hat, verderblichen Saamen aus, der gar leicht böse Frucht tragen könnte; denn im Jahre 1848 und 49 wurden in etlichen Orten des Elsasses die Juden von ihren katholischen Mitbürgern schändlich mißhandelt, ihre Häuser zerstört und allerlei Unbill gegen sie verübt, und leicht möchte die Lust zu ähnlichen Unthaten hie und da wieder rege werden. Zugleich aber stellt dieß Büchlein ein Armuths-Zeugniß den Christen