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Dibre Emeth · 1856-01-01 · 1-2 (1856) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
12 (1856)
Issue
1-2 (1856)
Date
1856-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 dem Glauben an einen Gott, und hat lieber sein Leben dem schmachvollste« und qualvollsten Tode Preis gegeben, als seinen Glauben verleugnet. Mer anstatt zu dem lebendigen Quell, zu Gott und seinem Worte zu gehen und daraus auch wahre und lebendige Erkenntniß Gottes, Trost, Heil und Frieden zu schöpfen, hat es sich Brunnen gegraben, die kein Wasser geben. Es hat sich auf seinen Verstand, auf seine Weisheit verlassen. Ohne Erleuchtung von Oben mit dem Lichte des heiligen Geistes, wollte es damit die tiefen der Gottheit erforschen und den Weg zur Vereinigung mit Gott finden, stellte dann die Erzeugnisse seines eigenen Geistes, seine Phantasiebilder als Gesetze Gottes hin und klammerte fich krampfhaft an dieselben an, daß eS durch keine Macht von Außen davon loögeriffen werden konnte. Das sind die löchrichten Brunnen, die kein Wasser geben. Natürlich mußte so das Volk ohne wahres, göttliches Leben bleiben; es mußte seinem inner» Menschen nach verschmachten und sich die Strafen Gottes, die ihm durch Moses angedroht waren, zuziehen. Es hielt sich zwar frei vom groben Götzendienste, von der Anbetung der Bilder aus Holz und Stein, von Gold und Silber oder irgend einem andern Stoffe, huldigte aber desto eifriger dem feinen Götzendienste, der Selbstvergötterung. Dadurch mußte fein Gottesdienst nothwendiger Weise zu einem bloßen äußeren Lippenwerke werden. ES erfüllte sich an diesem Volke, was der Herr durch den Propheten Jesaias 29, 13 von ihm sagt: „Dies Volk nahet sich;« mir mit seinem Munde, und ehret mich mit feinen Lippen; aber ihr 7ber; ist ferne von mir, und furchten mich nach Menschen-Geboten, die sie lehren." In diesem Zustande ist Israel zum großen Theile heute noch, und wo es nicht mehr darin ist, so ist es nahe daran, dem Unglaube« völlig zur Beute zu werden. Zwar hat man das Joch rabbintscher Satzungen zerbrochen und weggeworfen, aber man hat sich dafür ein anderes aufgelegt. Die Gelehrten unter diesem Volke haben sich dem Zeitgeiste ergeben, huldigen den Prinzipien, die er zu Tage befördert, geben ihnen eine jüdische, das ist, so weit es gehen will, eine rabbinische und biblische Färbung und stellen sie dann hin als die positiven Lehren der Offenbarung, und das arme Volk, das noch

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