Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 11-12 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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187 Wo ist nun da nach innen und außen diese hochgerühmte, un* verweichliche jüdische Toleranz, die Niemandem die geringste Beschränkung auferlegt? Hätte der Verfasser ohne Weiteres sich vom Talmud losgesagt und erklärt, daß er auch von den „Grundsätzen" des Talmuds nichts wissen wolle: so würde es unbillig und ungerecht sein ihm dieselben aufbürden zu wollen. Da er sich aber mit seiner ganzen Theorie auf talmudisches Gebiet stellt, so können wir nicht anders, als aus seinem eigenen „artigen Arsenälchen" ihm. die Falschheit und das Truggebilde zu zeigen, das er andein Leuten Vorhalten will, um sie über das Wesen und die Tendenz des Judenthums zu täuschen. Er verabscheut ja die „Sophismen, die aus Finsterniß Licht machen"; so sage er sich wenigstens in seinem Herzen, was er gethan, indem er einen Aufsatz „über jüdische Toleranz" schrieb, der allen Zeugnissen der Bibel und des Talmuds Hohn spricht. Wenn das nicht zu bedauernde Verblendung ist, so muß eS offenbare Bosheit und Gottlosigkeit sein. Doch vielleicht ist wirklich der Verfasser, wie alle Arbeiter an der Allgemeinen Zeitung des Judenthums, von einem so liebevollen Geiste so schonender Toleranz beseelt, und er will nur die frühem Verstöße gegen dieselbe ignoriren, um nicht durch Erinnerung an dieselben unangenehme Gefühle zu erregen? Darauf haben wir schon gesagt, daß es das Einfachste gewesen wäre, sich von dem Geist des Talmuds loSzusagen; er hat aber das Gegentheil gethan und sich mit den „Grundsätzen" des Talmuds einverstanden erklärt. Dann aber wollen wir zum Schluß noch, nachdem wir im Bisherigen die Theorie des Verfassers ein Wenig beleuchtet und als nicht mit den mosaischen Institutionen und dem Talmud übereinstimmend dargethan haben, die Praxis, wie sie sich in der Allgemeinen Zeitung des Judenthums zu Tage giebt, in Einigem besehen. Wir müssen von vornherein sagen, daß es offenbar dem Verfasser und seinen Genossen nicht bloß um Toleranz, sondern um etwas Anderes und Mehreres zu thun ist. Toleranz ist Duldung, wie unser Verfasser selbst sagt. So viel dem Schreiber dieses bekannt ist, genießen die Juden nicht nur in Preußen, sondern wohl in ganz Europa Toleranz, d. i. Duldung. Denn, wie schon gesagt, Verweigerung einzelner Privilegien ist noch lange keine Intoleranz. In