Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 11-12 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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186 ben, wenn er sagt, daß sie darum nur selten Vorkommen konnten, weil die politische Gewalt dem Judenthum fehlte. Gesetzt aber, der Talmud und seine Anhänger kämen in den Besitz der bürgerlichen Macht, was dann? Dann würden wir die vom Verfasser gepriesene Toleranz, die kein Wasser trübt, in ihrem Glanze sehen. Große Kunst und große Leutseligkeit so tolerant zu sein, weil eS an politischer Gewalt fehlt! Auch ein Tiger ist zahm und tolerant so lange er eingesperrt ist und nicht anders kann. Aber auch Proselyten gehören zu den Juden und werden als Juden betrachtet, wie steht es mit der Toleranz gegen sie? Schon die gewöhnliche und allgemeine Benennung mit der ein zum Christenthum übergetretener Israelit bezeichnet wird, beweist, was und wie man von ihm denkt; er heißt bekanntlich ein Meschummed, d. i. ein Vertilgter. Wenn unser Verfasser sagt, er gehöre doch noch zu den Juden, so wollen wir auf der einen Seite das gar nicht bestreiten, denn die Taufe hebt ja die Nationalität nicht auf; so wenig ein Indianer aufhört ein Indianer zu sein, wenn er getauft wird, eben so wenig hört ein Jude auf ein Nachkomme Abrahams zu sein durch Annahme der heiligen Taufe. Aber in religiöser Hinsicht hört seine Verbindung mit den Juden auf, durch die Taufe tritt er in die Religionsgemeinschaft der Christen, und als ihr Religionsgenosse erfährt er natürlich theils dieselbe jüdische Toleranz, wie die Christen im Allgemeinen, d. h. man wünscht seine Ausrottung eben so, wie die der Christen; theils ist es noch eine besondere Pflicht ihn als einen Abtrünnigen zu tödten. Wir begnügen uns nur Eins anzuführen. In dem Traktat Avodah sarah fol. 26, col. 2 heißt es nach Eisenmenger also: Die Minim oder Ketzer und Verräther und die Meschemudim oder Vertilgten, wie auch die Epicurer lässet man in eine Grube und ziehet sie nicht wieder heraus. Wenn eine Treppe in der Grube ist, ziehet man sie weg und spricht: ich thue es zu dem Ende, damit mein Vieh nicht hinab gehe; und wenn ein Stein über dem Loch der Grube gewesen ist, so leget man denselben wieder darauf und sagt: ich will mein Vieh darüber gehen lassen. Wenn aber eine Leiter in der Grube ist, so nimmt man sie weg und spricht: ich muß meinen Sohn vom Dach herabsteigen lassen.