Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 11-12 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554661-2554668--02353-2558221- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
166 ihm daher eine bessere Wohnung zukäme: so würde doch Jedermann eine solche Sprache undankbar, grob'und frech finden. Solche und ähnAche Gedanken stiegen in ddm Schreiber dieses aus, als er kürzlich mehrere Nummern der Allgemeinen Zeitung des Judenthums und unter andern Artikeln einen Aufsatz „Ueber jüdische Toleranz" las. Schon der Gedanke „Jüdische Toleranz" klingt sehr naiv, sobald von Toleranz der Juden auch gegen die Christen die Rede ist, wie in dem erwähnten Aufsätze. Denn wenn Toleranz, wie doch die Allgemeine Zeitung des Judenthums selbst sagt, zu deutsch Dulvung heißt: so möchte man fragen: wer kann denn von Toleranz d. i. Duldung sprechen? Kann, um obiges Beispiel nochmals zu gebrauchen, der arme aus Mitleid aufgenommene Mensch von Duldung sprechen, die er gegen seinen Wohlthäter beweist, daß er denselben ruhig und ungestört wohnen läßt? Wird der Aufgenommene verlangen können, der Besitzer solle nun billiger Weise eben solche Toleranz beweisen, wie er — der .Aufgenommene? — Das würde doch in der That komisch klingen, und man würde nicht wissen, ob man eine solche Sprache als aus einem schwachen Kopfe kommend mit Bedauern hinnehmen, oder ob man die Verschrobenheit belächeln, oder aber als ungeschliffene Keckheit zurückweisen sollte. Daß Israel in allen Ländern der Erde, sei es unter Christen .oder Heiden, als ein aus Güte aufgenommenes Volk zu betrachten ist, darüber kann doch möglicher Weise keine Frage sein und kein Zweifel obwalten. Israel ist nun einmal der leibliche Same Abrahams, Isaaks und Jakobs, dem Gott der Herr ein besonderes Land, das Land Canaan angewiesen, verheißen, wiederholentlich gegeben und zuletzt zu einem fortwährenden Besitz versprochen hat; denn da der Allerhöchste die Völker zertheilte, und zerstreuete der Menschen Rinder, da setzte er die Grenzen der Völker nach der Zahl der Rinder Israel. 5 Mos. 32, 8. Wenn sie sündigten und um ihrer Sünden willen von Gott selbst durch die Assyrer oder Babylonier oder Römer aus ihrem eigenen Lande vertrieben wurden: so waren und sind sie, wo sie auch waren und so lange sie da waren oder find, in einem fremden Lande. Haben Viele ihre Nationalität aufgegeben und verleugnet, betrachten sie das Land ihrer gegenwärti-