Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 11-12 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dibre Emeth Stimme« -er Wahrheit a N Israeliten und Freunde Israels. HerauSgegebm vo» £§. G. Hartman». M 11 u. 12. 1855. 11. Jahrgang. Zur jüdischen Toleranz. Es ist ein Zeichen eines rohen Gemüthes und streitet gegen alle geoffenbarte Religion, einen unterdrückten Menschen oder ein unterdrücktes Volk lieblos und unbarmherzig zu behandeln; denn diese Religion, d. h. das Alte und Reue Testament, verlangt Schonung, Milde und Freundlichkeit gegen das Elend, auch wenn dasselbe ein selbstverschuldetes ist, um den schon Geschlagenen und Gedemüthigten nicht noch mehr zu betrüben und niederzuschlagen. Freilich kann Jemand gedemüthigt und darum doch noch nicht demüthig sein; daher kommt es auch oft, daß ein recht hart Geschlagener die ihm erwiesene Güte mißbraucht, trotzig und unverschämt wird, und das, waS ihm als reine Güte erwiesen wird, ohne daß er seinerseits auch nur im entferntesten Sinne einen gegründeten Anspruch darauf hätte, als ein ihm zukommendes Recht fordert. Solche Forderungen verrathen nicht nur den schnödesten Undank, sondern entfremden auch die Herzen der Wohlthäter. Wenn ein Hauseigenthümer einen arme« auf der Straße liegenden Menschen in sein Haus aufnimmt und ihm aus Mitleid ein Stübchen ein räumt, so ist das reine Güte. Wenn aber der so Aufgenommene nach einiger Zeit Unzufriedenheit äußern würde über die Beschränkung, die er erfahre, wenn er sich beklagen würde, daß sein Stübchen ihm doch unmöglich genügen könne und ir