Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 9-10 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2554541-2554661-2554667--02347-2558214- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
161 land, Jesus Christus, vielleicht von einer langen Tagereise oder vom Wohlthun an den Armen ermüdet war; daß er zu einer solchen Zeit bereit war, sich niederzulegen und auszuruhen, denn als Mensch fühlte unser Herr Hunger und Durst und Ermüdung wie wir. Aber sobald der Oberste an die Thür klopft, ist er bereit, die Nacht damit zu verbringen, einen Juden zu belehren. Diese Thatsache giebt uns eine Lehre. Wir sollten nicht damit zufrieden sein, Missionare zu den Juden auszusenden, sondern wir sollten bei Nacht und Tag bereit sein, den nach Wahrheit Forschenden die Thür zu öffnen; mit demselben Gemüthe, wie der Herr Jesus, den Juden aufzunehmen und ihn zu belehren. Wir können aus dem Benehmen unseres hochgelobten Heilandes noch eine andere Lehre nehmen, denn als er sich von einer Reise ermüdet, bei Sichar auf einen Brunnen setzte, mußte er warten, bis Jemand käme, Wasser zu schöpfen. Es kam.ein Weib aus Samaria, eine Sünderin, beladen mit Gottlosigkeit. Jesus sähe sie an, und sein Verlangen war allein darauf gerichtet, ihre Seele zu gewinnen, indem er sie von der Finsterniß zum Licht, und von der Gewalt des Satans zu Gott zu führen suchte. Und wie nahet er sich diesem Weibe? Nun er benimmt ihr zuerst die Vorurtheile. Er, der einzige Jude in ganz Palästina, der das thut, spricht zu ihr: „Gieb mir zu trinken." Sie ist erstaunt hierüber, denn die Juden hatten keine Gemeinschaft mit den Samaritern. Laßt uns nicht sprechen, wie die Muhamedaner, wir wollen unsere Hände zwanzig Mal waschen, ehe wir das berühren, was ein Jude berührt hat; sondern laßt uns dem Juden nicht nur Liebe erzeigen, sondern auch Liebe annehmen, wenn wir ihm die Vorurtheile benehmen und ihm zeigen können, daß wir ein Herz voll Liebe haben und seine Seele nur für Christum zu gewinnen suchen. Erlauben Sie mir, my Lord, Sie an einen andern Punkt zu erinnern, und ich thue dies mit großer Hochachtung, weil Ihr Name identisch ist mit allem, was gut ist in diesem Lande. Ich erinnere mich der Zeit, wo Sie als öffentliche Persönlichkeit noch wenig bekannt waren, und ich glaube, eine Ihrer ersten öffentlichen Handlungen in Bezug auf religiöse Gesellschaften war die, daß Sie Ihre Hand dieser Gesellschaft boten. Dibre Emeth 1855. 11