Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 9-10 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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160 unsere Versammlungen durch daS ganze Land besuchen, so lassen Sie mich doch Ihnen das Vorrecht vor die Seele führen, das der hat, welcher dm Gegenstand dieser Gesellschaft studirt, und sich zum Sachwalter für dieselbe macht. Ich glaube, daß in dem Werke ein großer Segen liegt, ein Segen sowohl für uns, wie für die Juden. Wir sind geneigt, die Bibel als Nichtjuden und nicht mit Sympathie für die Juden zu lesen; wir sind geneigt zu sagen, das Alte Testament gehört den Juden, das Neue den Christen. Aber es sei mir gestattet zu sagen, das Neue Testament gehört den Juden wie den Nichtjuden; daß sie die Juden sowohl des Alten, als des Neuen Testaments sind. Es müßte für uns interessant sein, uns, wenn wir eine Stelle lesen, die Frage vorzulegen; „Wie würde ein Jude das verstehen? Mit welchen Gefühlen betrachtet dies ein Jude?" Und insofern in unfern Herzen Sympathie zünden Juden einkehrte, würden sie auch zur Liebe gegen ihn angeregt werden. Ich möchte das deutlich zu machen suchen mit der Art und Weise, in welcher ein Reisender, der dies Land besucht, den Eindruck von Ereignissen, von denen er Zeuge gewesen ist, erzählt und seine Erzählung zur Belehrung seiner. Landsleute veröffentlicht. Der Fremde würde das Buch des Reisenden mit ganz andern Gefühlen lesen, als der Engländer. So ist's gerade bei den Juden. Wenn er daS neue Testament in die Hände nimmt, mit welch tiefen und feierlichen Gefühlen wird er Alles lesen, was sein Lanv betrifft. Und wir müssen bedenken, daß der Herr Jesus niemals außerhalb Palästina's reiste. Da zog er von Ort zu Ort, und alle Ereignisse, welche mit unserm allerheiligsten Glauben verbunden sind, sind auch auf's innigste mit dem Lande Palästina verbunden. Laßt uns des eingedenk sein und nie vergessen, daß der Jude einen großen Antheil daran hat. Laßt mich Euch an eine andere Thatsache erinnern. Wenn wir die heilige Schrift lesen, so sind wir zu geneigt, nur eine Seite der Erzählung zu betrachten. Wir haben heute gehört, daß Nicodemus des Nachts zu dem Herrn, als zu einem Rabbi kam, um ihn zu beftagen. Unsere Aufmerksamkeit ist hauptsächlich auf den furchtsamen Obersten in Israel gerichtet, welcher sich der Beobachtung der Juden entziehen wollte: aber wir bedenken nicht, daß unser theurer Herr und Hei-