Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 9-10 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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138 und vermehrt. Es scheint zwar, daß diese letztere Erklärung sich mehr auf das Leben nach bereits erfolgter Rechtfertigung beziehe, als auf den Act der Rechtfertigung selbst; in dem 11. Canon aber, wo auch die mit dem Anathema belegt werden, welche sagen, die Gnade, durch welche wir gerechtfertigt werden, sei nur eine Punst Gottes, wird doch ohne Zweifel von dem Act der Rechtfertigung selbst gesprochen. Wenn also auch dieser nicht eine bloße Gunst Gottes ist, so muß auch in demselben etwas „Anderes Mitwirken," wie oben von der Vorbereitung gesagt wurde. Somit ist es klar, daß in der Vorbereitung zur Rechtfertigung, in dieser selbst und in der Folge derselben etwas „Anderes" und zwar doch wohl nichts Anderes, als überall die guten Werke „Mitwirken" neben dem Glauben und der Gnade Gottes. Was ist nun die Lehre des rabbinischen Judentbums über den hochwichtigen Artikel der Rechtfertigung oder über die Frage: wie kann der Mensch vor Gott gerecht sein? Wir können hier nicht auf eine besondere Behandlung dieses Gegenstandes in den jüdischen Schriften Hinweisen, sondern müssen uns damit begnügen, die Lehre nach gelegentlichen Aeußerungen zu bestimmen. Diese finden sich aber reichlich genug, und wir können die Meinung des mündlichen Gesetzes hierüber am Besten erkennen aus den Gebeten am Neujahrstage und aus dem, was jenes von der Bedeutung des Neujahrstages sagt. Wir führen zunächst ein Gebet an, das am Neujahrsfest gebetet wird, und also lautet: „Tausend und zehntausend Gemeinden, welche vor uns gewesen sind und verschwunden sind, waren nicht im Stande, sich zu rechtfertigen, um rein zu sein. Siehe, die Himmel find vor ihm nicht rein und alle himmlischen Schaaren sind wie zerstoßener Flachs; wie kann nun der, welcher unfläthig und abscheulich ist, rein sein? Er häuft Schätze des Betrugs und arbeitet im Verborgenen. Wenn er sagt, wer wird gegen mich zeugen vor ihm? Selbst die Balken, Sparren, Pfosten und Steine seines Hauses. O du, der du zu reinen Gesichtes bist, um Böses zu sehen, versenke unsere Sünden in die tiefsten Schlupfwinkel und mache uns ein Zeichen zum Guten." Neth. olam S. 214. Hier ist ein Gebet, in welchem der Betende seine Sünden und sein Unvermögen er- und bekennt, sich selbst zu rechtfertigen. Da ist