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Dibre Emeth · 1855-01-01 · 9-10 (1855) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
11 (1855)
Issue
9-10 (1855)
Date
1855-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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136 im Vergleich zu dem mündlichen Gesetz, wenn er Pred. Sal. IS, IS. erklärend sagt: „Mein Sohn, gieb mehr acht auf die Worte der Schreiber, d. i. der Rabbinen, als auf die Worte des Gesetzes" (Mosts). In demselben Sinne heißt es an einer andern Stelle: „Der Rabbi hat gesagt, die Worte der Schreiber sind angenehmer, als die Worte der Propheten." Ja, so weit gehen diese Leute, zu sagen: „auch ihr (der Weisen) gemeines Gespräch ist dem ganzen Gesetz gleich zu halten." — Bedarf es deutlicherer Beweise, daß die Lehre des Katbolicismus und des Judenthums über die heilige Schrift im Wesentlichen gleichlautend und übereinstimmend ist, und zwar leider in Beiden zu Gunsten der Tradition und zu Hintansetzung des Gotteswortes?! Wie der Katholicismus uns lehrt, daß die Tradition aus dem Munde Christi geflossen, und vom heiligen Geiste eingegeben sei: so lehrt auch das Judenthum, daß das mündliche Gesetz vom Sinai herstamme, daß Gott selbst dasselbe Mose mündlich mitgetheilt, Moses dasselbe Josua mündlich überliefert habe, und daß es so von Geschlecht zu Geschlecht fortgeerbt worden sei. Und wie nach der katholischen Lehre die Bibel zwar als ein göttliches Buch anerkannt wird, das aber an sich unvollständig, zweideutig und nur mit Hilfe der Tradition zu verstehen sei: so lehrt das Judenthum und sagt nur: die Bibel könne auf 49 Arten erklärt werden, wenn man nicht das mündliche Gesetz als Commentar wollte gelten lassen. Wie endlich in der katholischen Kirche Jedermann, der nicht besondere Erlaubniß hat, das Lesen der heiligen Schrift streng verboten ist: so wird es sich auch kein frommer Jude einfallen lassen, die Bibel anders zu lesen, als mit den berühmten, in der Synagoge anerkannten Commentaren, denn ohne diese kann und darf er sie nicht lesen*). Es ist in der katholischen Kirche kein anderer Unterschied zwischen der heiligen Schrift und der Tradition, als eben der Name, und so ist es auch im Judenthum; das Eine heißt das geschriebene, und das Andere das mündliche Gesetz, das Eine hat so viel Autorität, *) In Polen z. B. wurde sonst der Jude, der die reine Bibel ohne Commentar las, ein Epikuräer genannt. ES ist aber auch dort nicht mehr so streng.

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