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Dibre Emeth · 1855-01-01 · 9-10 (1855) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
11 (1855)
Issue
9-10 (1855)
Date
1855-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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135 bens- und Sittensachen, wie das geschriebene Wort. Es wird daher über den, der die Tradition wissentlich und bei Verstand verachtet, ebenso der Fluch ausgesprochen, wie über den, der dies gegen die heilige Schrift thut. Der römische Katechismus lehrt von der Bibel: „Die Bibel ist zwar ein göttliches Buch, aber unvollständig, schwer zu verstehen und zweideutig. Die Bibel kann nur durch die Kirche mit der Erblehre (Tradition) verbunden erklärt werden. Darum ist das Lesen der Schrift Jedermann, der nicht besondere Erlaubniß hat, bei Strafe verboten." S. Wimmer S. 119. Eben das ist die Lehre des Judenthums, nur mit dem Unterschiede, daß letzteres noch "eine gewisse strenge Sonderung zwischen den heiligen Urkunden und den menschlichen Zusätzen mit gewissenhafter Aengstlichkeit jederzeit festgehalten hat. Denn während die katholische Kirche die Apokryphen so in die heilige Schrift hinein verwebt hat, daß man sie nicht von derselben unterscheiden kann, haben die Juden diese Apokryphen nie ausgenommen und sich alle nur mögliche Mühe gegeben, jeden Zusatz vom Worte Gottes dadurch fern zu halten, daß sie die Verse, Worte und Buchstaben der einzelnen Bücher sorgfältig gezählt und das Resultat am Ende jedes Buches beigefügt haben. Trotz dieser Pietät und Hochachtung gegen das Wort Gottes ist ihnen dasselbe doch nicht theurer und heiliger, als die mündliche Ueberlieferung oder Tradition oder, wie sie es nennen, das mündliche Gesetz; sondern sie stellen die Weisen höher als die Propheten, und mithin die Tradition über das geschriebene Wort Gottes. Es heißt ausdrücklich: Ein Weiser ist mehr, als ein Prophet; und demgemäß lehren sie auch: „Welche in der Bibel studiren, die thun etwas, das eine Tugend, oder auch keine Tugend ist; die in der Mischna studiren, die thun etwas, das eine Tugend ist, und empfangen deswegen einen Lohn; die aber in der Gemarah studiren, die thun etwas, das die größte Tugend ist." Labs mezia fol. 33. col. 1. Ja noch mehr, das Judenthum erblödet sich nicht zu sagen: „Einer, der die Bibel ohne die Mischna und den Talmud liefet, der ist gleich einem, der keinen Gott hat." Schaare zedek fol. 9. col. 3. Der berühmte jüdische Commentator Raschi hat unter Anderm auch einen Beweis geliefert, wie er die Bibel zu erklären versteht, und was ihm diese ist,

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