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Dibre Emeth · 1855-01-01 · 9-10 (1855) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
11 (1855)
Issue
9-10 (1855)
Date
1855-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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134 es immer wolle. Wenn irgend einem Menschen in der christlichen Kirche in Religionssachen, er sei wer er wolle, eine Autorität eingeräumt wird, außer Moses und den Propheten noch etwas zu der heiligen Schrift hinzusetzen oder derselben gleich achten zu dürfen: so haben natürlich und nothwendiger Weise die Juden das gleiche Recht, dasselbe zu thun. In der katholischen Kirche hat bekanntlich das Tridentinische Concil große Autorität und dieses sagt in dem betreffenden Artikel: „Da das Concilium sich es zur Aufgabe gemacht, die Reinheit des Evangeliums, welches die Propheten verheißen, Jesus Christus selbst verkündigt und die Apostel als die Quelle aller Wahrheit und die Richtschnur der Sitten gepredigt, aufrecht zu erhalten; und aber erkannt habe, daß diese Wahrheit und diese Richtschnur für das Leben sowohl in den geschriebenen Büchern enthalten sei, als auch in der geschriebenen Tradition, welche die Apostel aus dem Munde Christi selbst vernommen und vom heiligen Geist durch Eingebung empfangen und der Kirche übergeben haben: so nehme das Concilium nach dem Vorbilde der orthodoxen Väter alle Bücher des alten und neuen Testaments, sowie die Traditionen sowohl in Betreff des Glaubens als auch der Sitten, als solche an, welche aus dem Munde Christi gekommen, oder vom heiligen Geiste eingegeben in ununterbrochener Folge der katholischen Kirche erhalten worden sind und erkenne ihnen sämmtlich gleiche Verehrung zu." — Nach namentlicher Anführung der heiligen Bücher sammt den Apokryphen fügt das Dekret bei: „Wenn aber Jemand diese Bücher in ihrer Vollständigkeit nach allen ihren Theilen, wie sie in der katholischen Kirche gewöhnlich gelesen werden und in der alten Ausgabe der Vulgata enthalten sind, nicht als heilig und kanonisch annimmt, und die vorgenannten Traditionen wissentlich und bei Verstand verachtet, der sei verflucht!" Aus diesem Beschluß des Tridentin. ist offenbar, daß die katholische Kirche die Tradition eben so hoch und heilig hält, wie das geschriebene Wort Moses, der Propheten und Apostel; denn die Tradition ist ja aus dem Munde Christi selbst geflossen und vom heiligen Geiste durch Eingebung empfangen und der Kirche übergeben; die Tradition ist daher eben so bindend und verpflichtend in Glau-

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