Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 9-10 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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130 dreierlei Juden die Rede ist, scheint wiederum so viel klar zu sein, daß es auch dem geschichtlichen Juden auf Mosen und die Propheten nicht ankommt, und ebenso wenig kümmert er sich um den Talmud. Mosaismus, Prophetismus und Talmudismus sind ihm vergangene Dinge; er ist in der Entwickelung bereits noch einen Schritt weiter gegangen und gekommen. Ein geschichtlicher Jude dürfte wohl, um es kurz zu sagen, ein solcher sein, der nichts Anderes für seine Regel und Richtschnur anerkennt, als sich sebst und die jeweiligen Zeitverhältnisse, die Geschichte des Tages. Einem geschichtlichen Juden ist Judenthum daher auch etwas Anderes, als einem Talmudisten. Da indeß dieses geschichtliche Judenthum noch im Werden, jenes aber, das Talmudische, eine lange bestandene und noch bestehende Erscheinung ist: so beantworten wir die Frage, was Judenthum ist, dahin, daß wir sagen, Judenthum ist diejenige Religionslehre, welche die Juden in ihren öffentlichen Gebeten aussprechen und bekennen, oder mit andern Worten, die Religionslehre, wie sie in den sogenannten mündlichen Ueberlieferungen, d. h. in der Thorah Schebeal Feh enthalten ist. — Auf gleiche Weise sagen wir auch, daß Katholicismus diejenige Religionslehre ist, welche in den öffentlichen Gebeten und simbolischen oder kirchlich anerkannten Büchern der katholischen Kirche enthalten ist und von den Katholiken bekannt wird. Wie steht nun das Judenthum zum Katholicismus? Offenbar ist die gegenseitige Stellung eine andere, als die des Judenthums zum Protestantismus, oder auch zum Christenthume überhaupt, denn durch so manche der Sonderlehren, welche den Protestantismus vom Katholicismus scheiden, wird offenbar und nothwendig die Stellung und das Verhaltniß des Judenthums zu einer oder der andern der christlichen Confessionen, oder auch zum Christenthum im Allgemeinen, eine verschiedene. Ist es doch dem Schreiber dieses oft vorgekommen, daß Juden, während sie die Protestanten für Christen hielten, den Katholiken diesen Namen nicht zuerkannten, oder umgekehrt, wenn sie die letzteren als Christen bezeichneten, sie die erstem für ganz verschiedene Religionsgenoffen hielten. Auf der einen Seite besteht zwischen Judenthum und Katholicismus offenbar ein großer Gegen-