Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 7-8 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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125 ligion, welche darauf berechnet ist, das Menschengeschlecht glücklich zu machen,, kann keine falsche sein." Hier haben wir ein anderes Zugeständniß von einem Juden, und zwar von einem Juden von großer Bedeutung und großem Einflüsse.*) Nun, ich prophezeihe immer die glücklichsten Erfolge aus dem Geiste der Forschung, der sich unter den Bekennern einer falschen Religion verbreitet. Der Jrrthum wächst immer mit der niedrigen Unterwerfung unter die Autorität derer, von denen er gepredigt wird, da, sobald man nur erst die dem Jrrthum Ergebenen zum eignen Forschen bewegen kann, man auch gewiß sein kann, daß das Gemüth für die Wahrheit vorbereitet ist', und endlich dieselbe völlig annehmen wird. In dieser Weise sind wir gewohnt, die glücklichsten Erfolge von dem Geiste der Forschung zu weissagen, welcher sich unter den römischen Katholiken verbreitet hat. Wir haben stets gefunden, daß in demseldeit Verhältnisse, in welchem das Gemüth der Katholiken zum Forschen getrieben wird, sich auch die Macht der Priester verringert, und wir haben Grund zu hoffen , daß die Forscher auch zu einem geläuterten Glauben gelangen werden. Und als ich das Zeugniß hörte, wie es im Berichte mitgetheilt wird, daß sich sowohl unter den Juden in England, wie auf dem Continente und in andern Theilen der Welt, der Geist des Forschens nach der Wahrheit mächtig regt, war ich bereit zu hoffen, daß die Zahl der Bekehrungen, welche öffentlich stattgefunden haben, nur die sehr geringen und sparsamen Erstlinge sind von der herrlichen Ernte, welche wir bald unter Israel zu erwarten haben. Die Zahl der Forscher ist bei weitem größer, als die Zahl derer, die getauft worden sind; und dürfen wir nicht vernünftiger Weise hoffen, daß mancher Nikodemus unter den Juden ist, der zuerst furchtsam bei der Nacht zu Christo kommt, der wie Nikodemus bald so kühn sein wird, die Sache Christi mit einer Frage zu vertheidigen, und dann seinen Glauben an den Messias eben so offen zu bekennen, wie Nikodemus, als er kühn genug war, mit Joseph von Arimathia dem Leichnam des Heilandes die letzte Ehre zu erweisen? Aber ich meine, daß es für uns von der größten Wichtigkeit ist, stets den eigentlichen Zweck der Gesellschaft, zu deren Ilnterstützung wir uns heute hier versammelt haben, vor Augen zu haben. Der Zweck der Gesellschaft ist nicht die zeitliche Verbesserung der Lage der Juden; ihr Zweck ist nicht die Erhebung der Juden in weltlichen Dingen, ausgenommen insoweit, als dies beiläufig und indirect der Fall sein mag in Folge seiner Annahme des Evangeliums Christi; ihr Zweck ist nicht die Emancipation der Juden von bürgerlichen und po- *) Wir können die Bemerkung nicht zurückhalten, daß die Zahl der Juden, namentlich der gebildeten sehr bedeutend ist, welche ganz gleiche Gesinnung haben, wenn sie es auch nicht immer so frei und offen aussprechen. Wir haben unzählige Male ähnliche Bekenntnisse vernommen.