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Dibre Emeth · 1855-01-01 · 7-8 (1855) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
11 (1855)
Issue
7-8 (1855)
Date
1855-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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124 urtheils über den Meister von Nazareth, so nehme ich keinen Anstand, Ihnen zu sagen, daß ich mich keinesweges gebunden fühle, mich selbst oder meine Glaubensbrüder mit jener Verfahrungsweise zu identificiren, oder jenes Verdammungsurtheil aufrecht zu erhalten; -ich als Jude sage, daß es mir scheint, Jesus sei ein Opfer des Fanatismus geworden, verbunden mit der Eifersucht und der Lust nach Macht unter den jüdischen Hierarchen, gerade wie in spätem Zeiten Huß und HieronimuS von Prag, Latimer und Ridley Opfer des Fanalismus geworden sind, verbunden mit der Eifersucht und Lust nach Herrschaft unter den christlichen Hierarchen; und indem wir, ich und die Juden unserer Zeit, dagegen protestiren, mit den Zeloten, welche bei der Berdammung Jesu von Nazareth betheiligt waren, identificirt zu werden, sind wir weit davon entfernt, seinen Charakter zu verunglimpfen, oder seine Gebote, welche größtenheils die Moses und der Propheten sind, lächerlich zu machen." Ich meine, das ist ein höchst wichtiges ZugestKidniß von einem Juden, welches klar zeigt, daß, wenn er die Meinungen anderer Juden vertritt, sie schon eine weite Strecke Weges in dem Geiste des Forschens zurückgelegt haben müssen, welcher uns den sichersten Grund der Hoffnung giebt, daß der Weg zu ihrer Bekehrung bereitet ist. Dann haben wir noch das Zeugniß eines andern ausgezeichneten Juden, des vr. Noah, der so schreibt: „Jesus predigte zu allen Zeiten und an allen Orten, in und außer dem Tempel, mit einer solchen Beredsamkeit, wie sie seitdem kein Sterblicher mehr besessen hat.... Man hat gesagt, und zwar mit einiger Lobeserhebung dessen, was man meine Freistnnigkeit genannt hat, daß ich in einer frühem Abhandlung Jesum von Nazareth nicht einen Betrüger genannt habe. Ich habe ihn nie als solchen betrachtet. Der Betrüger strebt gewöhnlich nach irdischer Macht, versucht die Kranken und Schwachgläubigen zu unterstützen, und versammelt Leute von Einfluß um sich, die er beherrschen kann. Jesus war frei von Fanatismus; sein Glaube war ruhig, ergeben und zurückgezogen. Er mischte sich unter die Armen, hatte Umgang mit den Sündern, vermied die Reichen und strafte die Ruhmsüchtigen. In der Stille des Abends suchte er Erholung in den schattigen Olivenhainen, und wandelte nachsinnend an den Ufern des Galliläischen Sees. Er glaubte aufrichtig an seine Mission, liebkoste Niemanden, schmeichelte Keinem; scharf und streng in seiner Rede, war er still und ergeben in seiner Religion. Das sind keine Zeichen eines Betrügers; aber indem es uns erlaubt ist, daß wir seiner Sendung eine andere Erklärung geben, während ein hundert und fünfzig Millionen an seine Gottheit glauben, und wir um uns herum Beweise genug sehen der Glückseligkeit, des guten Glaubens, der milden Regierung, der freisinnigen Gefühle, welche aus seiner Religion hervorgegangen sind, was für ein Recht hat dann irgend Jemand, ihn einen Betrüger zu nennen? — Die Reli-

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