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Dibre Emeth · 1855-01-01 · 7-8 (1855) · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
11 (1855)
Issue
7-8 (1855)
Date
1855-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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muß, offenen Verfolgungen entgegen zu treten. Ein Beispiel dieser Art gelangte erst vor kurzem zu meiner Kenntniß, und es mag dazu dienen, diesen Gegenstand zu beleuchten. In Rußland wurden neulich eine Anzahl Juden ergriffen, und mit Gewalt zum Militär genommen. Bevor sie in die Listen eingetragen wurden, sollten sie mit Gewalt zur Taufe gezwungen werden; aber dkr Abscheu, womit diese Juden den Zwang zur Taufe betrachteten, war so groß, daß nicht weniger von ihnen, als siebenzehn sich zum Verbrechen des Selbstmordes getrieben fühlten. Der achtzehnte, der nicht weniger das Verbrechen des Selbstmordes, als, wie er meinte, das Verbrechen des Uebertritts zum Christenthume verabscheute, ergriff die erste Gelegenheit zur Flucht. Er entkam, wurde aber bald wieder ergriffen und zu dreitausend Peitschen-Hieben verurtheilt. Er mußte eine Reihe von tausend Mann passiren, von denen ein Jeder ihm einen Hieb gab; als er tausend Hiebe erhalten hatte, fiel er erschöpft und scheinbar todt zu Boden. Er wurde sogleich aufgehoben und in ein Hospital gebracht, wo er mit der größten Sorgfalt und Güte behandelt wurde, damit er wieder so weit hergestellt werde, um die übrigen Hiebe zu empfangen. Sobald als er so weit hergestellt war, erhielt er auch die übrigen Streiche jenes barbarischen und grausamen Unheils. Wir dürfen jedoch nicht wähnen, daß sich der Geist der Verfolgung auf Rußland beschränkt; ich fürchte, daß dieser Geist auch sogar in diesem Lande vorhanden ist, wenn auch dessen Kundgebungen eine mildere Gestalt angenommen haben. Es ist noch nicht lange her, daß in einem Londoner Blatte eine Anzeige erschien, welche von einer vakanten Stelle sprach, zu der Jemand gesucht werde, der tüchtig sei, die deutsche und französische Sprache zu lehren. Einer der gebildesten und intelligentesten Proselyten in London entsprach der Aufforderung; er sandte seine Zeugnisse ein, und bewarb sich um die vakante Stelle. Es dauerte einige Zeit, ehe er irgend eine Antwort.erhielt, und als er die Antwort erhielt, wurde sie ihm von dem Secretäre des Comitvs über die Schulen zugesandt. Die Antwort lautete, daß, obschon seine Zeugnisse von allen, die eingereicht worden seien, bei weitem die besten wären, so müsse doch die Thatsache, daß er ein getaufter Israelit sei, als Untüchtigkeit für die Stelle angesehen werden. Auch kam neulich noch ein ander Beispiel zu meiner Kenntniß, wo die Eltern zweier Kinder in einer großen öffentlichen Schule, als sie hörten, daß einer der Lehrer, der in fremden Sprachen unterrichtete, ein bekehrter Jude sei, sich selbst^ zu dem Vorsteher der Schule begaben und ihn fragten, ob das, was sie gehört hätten, wahr sei. Es wurde ihnen gesagt, daß dem so sei, aber auch von dem Vorsteher versichert, daß der bekehrte Jude, welcher der Lehrer der französischen und deutschen Sprache sei, sich ganz besonders zu diesem Amte eigne, allein sie bestanden darauf, daß entweder der Lehrer entlassen werde, oder sie müßten ihre Kinder

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