Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1855-01-01 · 7-8 (1855) · page 24

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
11 (1855)
Issue
7-8 (1855)
Date
1855-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2554541-2554661-2554666--02305-2558171
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

120 Lord, ich stehe auf, um den Antrag, welcher vom Lord Bischof von Melborne gestellt worden ist, zu unterstützen. Der Bericht, welcher vorgelesen worden ist, stellt uns die zwei Punkte klar vor die Seele, daß die Zahl der Taufen von Juden in dem verflossenen Jahre nicht geringer gewesen ist, als in den vorhergehenden Jahren, und daß der Geist der Forschung unter den Juden im schnellen Wachsthum begriffen ist. Es mögen wohl einige sein, die sich über die geringe Anzahl der Taufen imLaufe des verflossenen Jahres wundern werden, wenn sie hören, daß sie nicht mehr als ein oder zweihundert beträgt; aber ich muß bekennen , daß, wenn ich die vielfachen Schwierigkeiten betrachte, welche die Bekehrung eines Juden zum Christenthum zur Folge hat, ich in dieser Zahl, wie gering sie auch scheinbar ist, nur einen Grund zur Dankbarkeit sehe. Wir pflegen selten die verschiedenen Schwierigkeiten, welche die Bekehrung eines Juden begleiten, hinreichend zu würdigen, und doch sind diese Schwierigkeiten nicht gewöhnlicher Art. Zuerst muß der Jude, welcher die Religion verlassen will, in der er erzogen worden ist, die* * Macht der frühesten Vorurtheile und Verbindungen durchbrechen. Er ist von seiner Kindheit an gelehrt worden,' das ganze System des Christenthums als einen götzendienerischen Betrug zu betrachten. Kein Christ betrachtet den Mohamedanismus mehr als einen Betrug, als der Jude von seiner Jugend an gelehrt und unterrichtet wird', das Christenthum zu betrachten.*) Auch muß er nicht allein die Macht der frühesten Vorurtheile und Verbindungen durchbrechen, sondern muß bereit sein, daß die zartesten Bande der Verwandschaft zerrissen werden. Er muß bereit sein, von denen verstoßen und enterbt zu werden, welche er zärtlich liebte, und von denen er bisher mit Liebe betrachtet wurde, welche ihn aber von nun an als einen Schandfleck seiner Familie ansehen werden, wenn er die christliche Religion angenommen hat. Und nicht allein das, sondern der Jude, welcher das Judenthum verläßt, muß in zu vielen Fällen den Beruf, durch den er sich seinen Lebensunterhalt erwirbt, aufgeben*), und eö fehlt nicht an vielen Beispielen, daß ein Jude beim Uebertritt zum Christenthume sich plötzlich aus dem Ueberflusse oder wenigstens Wohlstände in die größte Roth der Armuth und Entbehrung versetzt gesehen hat. Aber das ist noch nicht Alles. Sogar in diesem erleuchteten Zeitalter, in den Tagen des Fortschritts und der Aufklärung, wo Einige zu denken scheinen, oder eS aussprechen, daß sie glauben, die Welt ist zu weit fortgeschritten, als daß Jemand seines Glaubens wegen jemals wieder verfolgt werden könne, ist es unzweifelhaft der Fall, daß jeder Jude, wenn er zum Christenthum Übertritt, bereit sein *) Dies ist wenigstens in Deutschland nicht mehr der Fall im vollen Sinne des Worts. *) Das ist fast immer der Fall, wenn er nicht Professionist ist.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.