Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 7-8 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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117 Trachten des menschlichen Herzens böse ist von Jugend auf und immerdar, der kann auch kein Bedürfniß haben nach Erlösung; und wenn das Wort Gottes es auch tausend Mal sagt und, wie in den Opfern, es klar vor die Augen malt, daß der Mensch gegenüber dem heiligen Gotte, einer Erlösung bedarf, so glaubt er es doch nicht. Sein ganzes Gebäude von Selbstgerechtigkeit würde Zusammenstürzen, seine Phantasie von der Ebenbildlichkeit Gottes und von seinem freien Willen würde schwinden, und er würde sich in seiner ganzen Häßlichkeit erblicken. Das aber will der Mensch nicht, er ist vielmehr gern bereit mit Herrn Dr. Philippsohn weiter zu singen: „Denn die Fojge der Geschicke ordnend mit allweiser Hand, Und woraus (soll wohl heißen voraus) des Menschen Wille, eh' er noch in ihm entstand, Wissend, läßt er frei ihn wandeln, leitend doch des Pilgers Pfad, Wie's zu aller Menschheit Heile steht in seinem heil'gen Rath. Seht, das hat er offenbaret Einem Volke, klein an Zahl, Daß es für die ganze Menschheit dies bezeug' durch seine Wahl." Wir müssen die Frage wiederholen, wenn Israel dies der ganzen Menschheit bezeuget hat? „Gott ist einzig, einig, heilig — sein geschaffnes Werk die Welt, Eine unbegränzte Einheit, welche das Gesetz erhält, Das er eingesenkt den Dingen, die unwandelbar sich wandeln, Aber frei läßt er den Menschen nach dem eignen Willen handeln, Um den großen Pfad der Liebe und des Rechtes zu beschreiten, Die in der Erkenntniß Streben seinem Blick sich stets erweitern." Nun wozu dann die Offenbarung? Warum sind dann die Weisen unter den Heiden nicht auch zur Erkenntniß des „einzigen und einigen" Gottes gekommen? Doch weiter: „Dahin führt er seine Menschheit, zu dem fernen höchsten Ziel, Doch des Einzelnen Gebaren und der Völker wirr Gewühl Ziehend zum gerechten Urtel vor allwissendes Gericht — Aber der Vernichtung Fallbeil trifft den reu'gen Sünder nicht! Seht, das hat er offenbaret, und der Menschheit Stimmen alle Rufen es in tausendfaltg'en, jubelvollem Wiederhalle: Eures Herzen Pforten öffnen fteudig sich den hohen Lehren, Des Verstandes Forscherstrahlen nur die Ueberzeugung mehren, Und die Werke seiner Schöpfung rufen: „Wahrheit ists und Recht!" Was in meinem Volk verkündet ein Geschlecht stets auf Geschlecht!" Doch noch Eins ward uns gekündet: ist es jetzt auch bald verklungen, Und in Eurer Geister Tiefe nimmer mächtig eingedrungen, Immer wieder, wieder kommt es zu der Völker Herz und Ohr, Bis es Eines nach dem Andern überwältigt reißt empor; Wenn Ihr all erst rathlos stehet, nichts mehr in dem eigenen Leben Findend, was Euch Trost vermag, Inhalt, Stütz' und Kraft zu geben, Daran Euch emporzuraffen aus der trostlos öden Leere, Dann kommt lichtes Leben spendend zu Euch dieses Volkes Lehre, Und ob Ihr sie lang nicht also fasset in der ganzen Wahrheit, Und mit altem Heidenthume mischet ihre Himmelsklarheit, Die Jahrtausend werden reifen