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Dibre Emeth · 1855-01-01 · 7-8 (1855) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
11 (1855)
Issue
7-8 (1855)
Date
1855-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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116 Daher können Sie auch weiter phantastren: „Seht, das hat Er offenbaret Einem Volk, klein an Zahl, Daß es für die ganze Menschheit es bezeug', durch seine Wahl." Nein, wahrlich nicht, was Sie von Gott sagen, ist nicht geoffenbaret, sondern was die Bibel von ihm sagt. Darum wird auch nie geschehen, was Sie weiter sagen: „Habt Zhr es gehört, begriffen, wird die Welt die eine Einheit, Ach, so weit Eu'r Blick auch dringet, wiederhallen es in Reinheit, Und des Sternenhimmels Leuchten, und des Blüthenfeldes Pracht, Euch erweisen nur des Einen heilige vollkommue Macht! — Aber zagst Du vor der Fülle dieser Gottesherrlichkeiten, Sieh, sich selbsten ebenbildlich wollt' den Menschen er bereiten, Aehnlich in dem freien Willen, ähnlich in dem Selbstbewußtsein, Aehnlich, weil er unerschöpflich ihm die Liebe senkte ein, Aehnlich, weil er ihm gegeben des Unendlichen Begriff, Da er ihn doch allzuendlich in des "Lebens Grenzen rief." Ist das nicht ein Tadel gegen Gott? Solche Widersprüche müssen Ihnen freilich passiren, da Sie den Sündenfall leugnen, durch den das Ebenbild Gottes im Menschen schmählich entstellt ist. Trüge der Mensch noch das göttliche Ebenbild in seiner Reinheit an sich, ja hätte er nur den freien Willen, dann könnte nimmer von ihm gesagt werden, was Sie ihm weiter zuschreiben: „Und der Mensch, auf all die Stimmen lauschend, geht den steilen Pfad, In dem Wirrniß der Geschicke folgend seinem eigenen Rath, Tragend seines Willens Folgen in der Thaten langen Kette, Tragend aller Orten mit sich seines Jchs bewußte Stätte." Wahrlich wenn der Mensch seinem eigenen Rache und nicht Gottes Rache folgt, das heißt wenn er sündigt, dann kann bei ihm von freiem Willen nicht mehr die Rede sein. Der. freie Wille kann sich immer nur für das Gute und Göttliche bestimmen; bestimmt sich der Wille für das Böse und Ungöttliche, dann ist er nicht mehr frei, sondern gebunden, er ist unter der Herrschaft der Sünde. Und womit will Herr Philippsohn beweisen, was er weiter sagt: „Und der Gott, der leitet droben alles menschliche Geschick, Daß der Mensch dem Licht des Lebens öffne immer mehr den Blick, Und der Gott, er richtet droben sicher alle Menschenthat, Daß geläutert er zum Höchsten lenke seinen Erdenpfad; Aber wenn, die Schuld erkennend, reuig niedersinken Sünder, Sendet Gott den Strahl der Gnade auf die irrgegangnen Kinder." Wahrlich, hätte der Herr Doctor ein volles Bewußtsein davon, was das heißt, Gott richtet sicher alle Menschenthat, er würde sicher nicht so leichtsinnig mit der Gnade Gottes scherzen; er würde vielmehr rufen: Ach ich elender Mensch, wer soll mich erlösen von dem Leibe dieses TodeS! Und wenn er die Antwort nicht fände, dann würde er wohl einstimmen müssen in jenen Ruf: Ihr Berge fallet über uns, und ihr Hügel bedecket uns vor dem Angesichte des Gerechten. Aber freilich wer die Sünde nicht kennt in ihrem Wesen und nicht glauben will dem Worte Gottes, daß das Dichten und

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