Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 7-8 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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106 über solche Verspottung des Wortes Gottes, ja des Herrn selbst? Hat Juda nicht Kriege geführt, werden die Thaten seiner Helden nicht besungen. Klagt nicht der Herr unaufhörlich über den Ungehorsam seines Volks, darüber, daß es ein Volk von hartem Nacken ist, das nicht in Seinem Wege wandeln will, sondern den Gelüsten seines eigenen Herzens folgt? Aber was kümmert das Herrn Philippsohn! Was er sagt, muß vom Himmel geredet sein und vor ihm muß selbst Gott und Gottes Wort sich beugen. Doch hören wir weiter. Im zweiten Gesänge mit dem Motto: „Dunkel bedeckt die Erde, Finsterniß die Nationen," werden zuerst die verschiedenen Arten des Götzendienst und ihr Entstehen besungen, dann wird uns Abraham „auf der Höhe am Euphratstrande" vor die Seele geführt, dem wiederum Gedanken und Worte in Herz und Mund gelegt werden, die nicht nur ganz unbiblisch, sondern auch ganz unpsychologisch sind. Da steht er klagend, den noch nicht gefunden zu haben, den er sucht. Was soll ihm die Pracht der Welt, wenn er nicht weiß, durch wen sie ward und bleibt? Wen soll er anbeten, ohne sich selbst und das höchste Wesen zu entweihen? „Ha!" ruft er in seinem Schmerze, oder in seiner Verzweifelung, „Ha! was bewegt mich — war ich lieber Tbier—Wozu das brennende Verlangen mir, Wenn meinem Geist unmöglich das Verständniß Und ewig flieht die sichere Erkenntniß? Ich bin kein Mensch, so lang' ich Dich nicht kenne, Anbetend nicht beim rechten Namen nenne." ... So kniet der Hehre auf der höchsten Kuppel am Euphraistrande und schaut ringend auf in die Dämmerung. „Da, da bricht schnell ein einz'ger Sonnenstrahl aus dem Gewölk auf Abraham's hohe Stirn." Und nun ist's geschehn; Gott ist erkannt und gefunden — „Der Strahl, er war gekommen, Und nimmer wieder ist sein Licht verglommen." Geneigter Leser, bewunderst Du nicht die reiche, erfinderische Phantasie des Herrn Doctors? Nur ist ihm dabei sein geschichtliches Bewußtsein völlig geschwunden. Obschon er ein Bibelwerk geschrieben hat, hat er doch vergessen, was der Herr sagt: Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf und immerdar, und darum gewiß auch bei Abraham. Es scheint auch,