Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 7-8 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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105 Zeitung des Judenthums, sogleich ein Zetergeschrei über ihre Intoleranz, und möchten sie sogleich mit einem Male maustodt schlagen, wenn sie die Macht hätten. Das ist ihr Liberalismus. Die größte Geistesverwirrung tritt uns jedoch in den Harfenklängen des Herrn Dr. Philippsohn: „die Sendung Israels" in Nr. 27 — 29 entgegen. Von des Frühlings Schönheiten und Reizen entzückt, fühlt er sich zum Gesänge gedrungen. Aber was soll er besingen? Die reine und keusche Liebe des Jünglings und der Jungfrau? „Nein, nein! der Harfe mächtig Dröhnen, Will singen von gewalt'gen Strömen, Die durch der Erde Länder schwellen, Und selbst im Meere nicht zerschellen." Oder soll sein Lied den Helden gelten? Nein, denn „Schau, an des Helden Händen blinken Die Tropfen Bluts — Blut ist Fluch — Und Fluch ist Haß — Und Haß und Fluch und Blut, Sie sind nicht Judas Geist, Nicht Judas That und Sang." Oder soll der Gegenstand seines Gesanges der Menschen Freud' und Ruh' sein? Auch nicht, denn auch das ist vergänglich, „Und was die Stunde hat geboren, Ist mit der nächsten rasch verloren." Mein Zion soll, wie selbst auf Fels gegründet, nur von dem Ewigen singen. Wenn daher der Lenz als Sieger kommt und dem Sänger die Harfe in den Arm drückt, dann „Ach, wie die Lerche steigt empor, Ihr Liedlein wirbelt aus Gewölk hervor — Wie gen die Sonne zieht die Kreise, Der Aar, kaum sichtbar und ihr doch so fern — Wie Mond und Erd' in ew'ger Weise, und Erd' um Sonne, Stern um Stern, Und aller Stern' und Welten Schaaren Die Bahn um Einen Weltstern wahren — So kann zu Dir, Herr, Judas Sang nur schallen, Ob in der Tempel hohen Hallen, Ob in des Himmels lichtem Raum, Rur Deiner Herrlichkeiten Saum Mit kühnem Geist und vollem Herzen fassen, Tief unter ihm bleibt dieser Erde Rund, Er muß die Schätze dieser Erde lassen, Nicht Heldenthum vermag sein Mund, Nicht Jugendlieb' und Menschenweh' zu künden — Die Bahn zu dir, o Wellgeist, muß er finden, Von Wolk' zu Wolk', von Sonn' zu Sonne steigend, Bis er, den Schemel Deines Throns erreichend, In Purpurgluth und Saphirblau erbleicht, Verklärt vor Deiner Majestät und schweigt!" ... Was sagst du hiezu, lieber Leser! Ergreift Dich nicht Entsetzen