Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 7-8 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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als wenn dem Herrn Doctor doch noch so eine kleine Erinnerung davon übrig geblieben wäre, indem er, seiner sonst so oft gepriesenen Gottebenbildlichkeit des Menschen ungeachtet, doch den Abraham sich lieber zum Thiere herabwürdigen läßt, als Mensch zu sein ohne Erkenntniß Gottes? Dann weiß die Schrift nichts davon, daß der Mensch zuerst Gott sucht, sondern sie sagt uns, daß Gott den Menschen sucht. Das erkannte auch Abraham, daher er auch von nichts als von Gnade weiß. Endlich ist es Lüge, daß zu Abrahams Zeiten alle GotteSerkenntniß von der Erde verschwunden war. Abraham lebte noch mit Sem zusammen, ja er muß sogar früher gestorben sein, als Sem. Dann wissen wir auch von einem Melchisedeck, der ein Priester des Höchsten war, und mit dem Abraham in sehr innigem Verkehr stand. Selbst unter den Völkern Kanaans zeigen sich noch Spuren der wahren GotteSerkenntniß', und sogar zu Moses Zeit giebt es noch einen Propheten Gottes, Bileam, unter den heidnischen Völkern. Und wie können Sie, Herr Doctor, diesem Gedichte die Worte Jesaias vorsetzen, die von einer ganz andern Zeit reden? Die folgenden Gesänge sind wahre Travestien, ja Spottgedichte auf das Wort Gottes, die um so gefährlicher sind, als Wahrheit mit Unwahrheit vermengt ist. Aber Herrn Philippsohn hat auch hier sein Gedächtniß wieder betrogen, und er macht sich selbst zum Lügner. In seinem ersten Gedichte hatte er doch versichert, er wolle nicht singen von Kampf und Streit, von Krieg und Schlacht, denn das sei Haß und Fluch und Blut, das aber seien „nicht Judas Geist, nicht Judas That und Sang." Nun aber besingt er doch die Helden Josua, Elias, die Makkabäer und alle, welche gegen Rom gekämpft haben, um ihre Thaten zu verherrlichen. Doch sehen wir uns die Gedichte selber etwas näher an, und urtheile dann ein Jeder selbst. Wie die Quelle, die in dunkler Felsengrotte entspringt, den Fels durchbricht, von Klippe zu Klippe stürzt, durch die Hallen dunkler Wälder wild ins Thal herabbraust, sich da das Bett wühlt und nun mit Liebe von Menschenaugen angeschaut wird, und immer weiter wallend und Segen durch tausend Felder ausbreitend, zum tiefem Flusse und dann zum breiten Strome wird, in dessen Wassern sich