Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 7-8 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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103 Talent und Wissenschaft niemals an ein Land gebunden glauben, daß es uns aber als ein glückliches Phänomen erscheint, wenn österreichische Juden nach dem übrigen Deutschland und deutsche nach Oesterreich gehen, denn die jüdische Theologie und das jüdische Lehrfach können nur gewinnen, wenn sie allgemeine sind und durch gegenseitige Einwirkung sich verallgemeinern. Es werden dadurch viele Einseitigkeiten vermieden oder vermindert, das Band zwischen den Glaubensgenossen befestigt und dem Genie und Wissen ein größerer Spielraum geschaffen." Wo ist hier auch nur die leiseste Andeutung auf das Wort Gottes, die einzige Regel und Richtschnur unseres Glaubens, die einzige Quelle unserer Erkenntniß Gottes, die alleinige objective und positive Wahrheit? Neues, Frisches soll geboren werden, und woraus? Aus dem Worte Gottes? das wird ja nicht mit einer Sylbe erwähnt. Das ginge ja auch gar nicht, denn aus dem Worte Gottes kann nichts Neues geboren werden , die darin geoffenbarten Wahrheiten können nur entwickelt und in ein klareres Licht gesetzt werden. Das Neue und Frische wird also aus dem eigenen Geiste geboren werden müssen. Unter diesen Geburten — um bei der Ausdrucksweise des Herrn Doctors zu bleiben — wird aber niemals Einigkeit erziehlt werden, sie werden vielmehr stets einander bekämpfen und sich gegenseitig verschlingen, wie ja dies die ganze Weltgeschichte zeigt, und wovon uns Herr Philippsohn in seiner Zeitung des Judenthums tausend und aber tausend Beweise liefert. Gleich hinter der Antwortsnote an den Wiener Fragsteller folgt eine zweite an denselben, daß Herr Albert Cohn und Sir Moses Monte fiore sich nicht vereinigen konnten in Betreff der gemachten und noch zu machenden wohlthätigen Stiftungen in Jerusalem, daher jeder seinen eigenen Weg geht. Solche Spaltungen, und sogar die heftigsten Streitigkeiten und Kämpfe, werden der Zeitung des Judenthums von allen Enden und Ecken der Welt berichtet; dabei wird oft tapfer darauf los geschimpft, wie z. B. in einer Mittheilung aus der Pfalz in Nr. 27, Seite 343 und 344, und wie es Herr Dr. Philippsohn selbst thut in Nr. 24, Seite 305, wenn auch in einer etwas glimpflichem Weise. Und in Nr. 22, Seite 285