Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 7-8 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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und Armseligkeit unter uns in geistiger Beziehung so groß, oder stnd unsere Ansprüche jetzt zu überspannt, oder befinden wir uns in einer Uebergangsepoche und wissen wir die eigene Kraft nicht zu schätzen? — was glauben Sie darüber?" Also abermals ein Beweis, wie Wissenschaft und Bildung die Religion nicht stützen und erhalten, viel weniger noch zur Blüthe und Reife bringen können. Der Mann fühlt das, weiß aber den Grund davon nicht aufzufinden. Doch Herr vr. Philippsohn stimmt vielleicht damit vollkommen überein, daß Alles, Predigt, Lied, Gesang rc. nichts nützt, wenn es nicht auf dem Worte Gottes beruht, aus demselben fließt. Von einem Rabbiner und Religionslehrer sollten wir das freilich erwarten dürfen, allein thäten wir das wirklich, so würden wir uns gar sehr täuschen. Was er meint, das können wir aus dem fraglichen Aufsatze, wie aus der Antwort lernen, welche er dem Fragsteller aus Wien giebt. In jenem sagt er: „Freilich! ist schreiben nicht so leicht, wie es sich die Meisten denken. Es können sogar nur wenige recht schreiben. Die jüdischen Schriftsteller brüten zu sehr auf der Gelehrsamkeit. Die Schöpfungskraft, Neues und Frisches zu gebären, zeigt sich selten. Dafür gebären sie das Alte immer wieder, Was Wunder, wenn das Publikum damit nicht zufrieden ist? Nein, das Wort muß wirklich lebendig, eine viva vox sein! Lieber schreit, daß die Ohren gellen — aber es muß Energie, Feuer, Seele darin sein, nicht blos Wissen. Was eine feurige begeisterte Literatur noch Alles wirken kann, ist gar nicht abzusehen. Man muß nur auch hier nicht gleich Alles vom ersten Worte erwarten. Sag's dreimal, wenn's einmal nicht Hilst. Die Literatur — Schriften, das ist jetzt der gangbarste Weg, es ist die Eisenbahn zu den Geistern. Du vermagst da Dir eine Gemeinde zu bilden, die über alle Länder und Inseln zerstreut ist, aber sie hört Dich doch und sammelt sich auf Deinen Ruf. Du hast den Vortheil, und sie auch, nicht immerfort in persönliche Berührung zu kommen, und ihr dennoch ungescheut Deine ganze ideelle und ideale Persönlichkeit geben zu können." Dem Herrn Fragsteller aus Wien aber antwortet er in einer Note: „Wenn wir unserm geschätzten Correspondenten unsere Meinung sagen sollen, so ist's dieser daß wir