Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 7-8 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554661-2554666--02286-2558152- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
101 Königsberg mitgetheilt, daß es ziemlich in der Ordnung ist, wenn die dortige neue Synagogen-Gemeinde in ihren Listen 12—15 Knaben aufzuweisen hat, an welchen der Beschneidungsact nicht mehr vollzogen worden. Gewiß aber fehlt es dieser Gemeinde nicht an wissenschaftlichem Unterricht, ein Professor, Herr'Saalschütz, ist ja ihr Religionslehrer und Prediger, der sich auch durch seine literarischen Arbeiten einen Ruf erworben hat. Dieser Mittheilung wird noch hinzugefügt, daß Herr Professor Saalschütz keinen Anstand nimmt, diese Verletzung der ersten Grundbedingung des Judenthums — nämlich der Beschneidung — dennoch zum Aergerniß der Synagogenbesucher durch Namenverleihung, Segen, Gebet und Dank für Kind und Mutter zu sanctioniren. Und Herr Saalschütz will doch conservativ sein. Hier sehen wir also deutlich, wie Synagoge und Schule, Predigt und Unterricht nicht im Stande ist, Leben in die Religion zu bringen, wenn ihnen der wahre Geist fehlt. Aehnliches lesen wir in Nr. 26, Seite 334. Dort findet sich eine Mittheilung aus Wien, worin es heißt: „Wir leben in einer Zeit der Wissenschaft und Bildung. „ „Die Weisheit predigt öffentlich."" Auf allen Gassen und Straßen kann man weise Lehren hören. Ueberall wird organistrt in Betreff des Schulfaches, und überall wird darauf weit mehr, als früher gesehen, daß die Jugend sich Bildung aneigne, und wäre es auch nur des äußeren Scheines halber. Man sollte nun meinen, die mesfianische Zeit sei hereingebrochen , von der es heißt: Die Welt wird sein voll Erkenntniß,*) wie das Meer voll Fluthen. Und doch scheint es, je weiter und breiter die Strömung der Wissenschaft ziehet, desto flacher wird sie. Worin liegt das Uebel?" Und nachdem der Berichterstatter noch darauf hingewiesen hat, wie es bisher Sitte gewesen sei, daß, wenn irgend eine wissenschaftliche Persönlichkeit zu einem Amte gesucht worden, man seine Blicke nach Deutschland gerichtet, in jüngster Zeit aber sich von Frankfurt, Berlin rc. um Lehrer rc. nach Österreich gewandt habe, fragt er: „Ist also wirklich die Armuth *) Der gute Mann hat nur das Wörtchen Herr weggelaffen, was der Sache einen ganz andern Sinn giebt.