Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1855-01-01 · 7-8 (1855) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
11 (1855)
Issue
7-8 (1855)
Date
1855-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554661-2554666--02284-2558150
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

99 trägt. Mögen wir die heilige oder die profane Geschichte durchgehen, überall und stets tritt es uns entgegen. Wir finden es in Kain, dem Ersten, der vom Weibe geboren ist, und von dem es heißt, daß er seinem Vater ähnlich war, und wir finden es bei allen andern Menschen, wir finden es auch in uns selbst. Freilich tritt uns dieses Bild nicht immer und bei allen Menschen gleich scharf entgegen, aber immer ist es da. In ganz besonders scharfen Zügen zeigt es sich in unfern Tagen. Wohin wir unsere Blicke nur richten mögen, überall sehen wir Verwirrung. Sie erstreckt sich über alle Lebenögebiete, über Familie und Gesellschaft, über Kunst und Wissenschaft, über Politik und Religion. Hier haben wir es nur mit der Religion zu thun, da aber hat die Verwirrung der Begriffe überall den höchsten Grad erreicht, bei Christen und Juden, bei Muhamedanern und Heiden. Ueberall dieselbe Verwirrung, dasselbe Chaos von Gedanken und Ansichten, in das, wie es scheint, kein Licht, keine Ordnung gebracht werden kann, sondern das Finsterniß und Verwirrung bleibt. Recht deutlich tritt uns diese Verwirrung in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" entgegen. Zur Begründung dieser Behauptung wollen wir das Blatt selbst reden lassen; und wir haben da nicht nöthig, lange nach Beweisen zu suchen, wir finden sie fast in jeder Nummer. Nehmen wir einmal Nr. 22 von diesem Jahre vor. Seite 278 und 278 wird von den Wegen gehandelt, „durch welche die Erhaltung des Judenthums in seiner bestimmten, positiven Erscheinung ermöglicht und gefördert wird," und dabei wird gesagt, daß es in der That nur der Energie — bedarf, „um auch das Judenthum in seinem vollen Vigor wirken und seine neue Stellung inmitten der civilisirten Welt behaupten zu sehen." Und welches sind nun diese Wege? Es ist „weder der geringe Erfolg der Orthodoxen, das alte Formwesen wieder allmächtig zu machen, noch der schwache Erfolg der Reformer, ihre Fahne zur Alleinherrschaft aufzupflanzen, also überhaupt allein der cultuelle Standpunkt," welcher „die Lebenskraft und die Lebensthätigkeit des Judenthums abmessen lassen darf. Das Judenthum ist eine fürwahr höhere Offenbarung und höhere Existenz, als daß es innerhalb dieser Lebensäußerungen beschränkt sei." Nun was 7*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.