Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 7-8 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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98 „ Adam sieht, er kann vor Gott nicht verborgen bleiben; aber anstatt sich als reuigen Sünder vor ihm niederzuwerfen, seine Schuld ihm stei und offen zu bekennen und ihn kindlich und demüthig um Vergebung und Errettung aus seiner traurigen und schrecklichen Lage anzuflehen, nimmt er seine Zuflucht zu nichtigen Ausreden, zu leeren Entschuldigungen; er antwortet: „Ich hörte Deine Stimme im Garten und fürchtete mich, denn ich bin nackend, darum versteckte ich mich." Er verheimlicht also den wahren Grund seines Fliehens und seiner Furcht, und giebt statt der Ursache derselben nur die Wirkung an. Ist das nicht noch größere Verwirrung der Gedanken? Und diese Verwirrung steigert sich noch, als er endlich doch gezwungen wird, seine Sünde zu bekennen. Er wähnt, die Schuld von sich zurückweisen und sie seinem Weibe, im Grunde genommen aber Gott selbst ausbürden zu können; denn er spricht: „Das Weib, das Du mir zugesellet hast, gab mir von dem Baume, und ich aß." Das heißt nichts Anderes als: Nun ja, ich kann es nicht leugnen, daß ich von dem verbotenen Baume gegessen habe, aber das Weib hat mich dazu verführt, sie trifft die Schuld; hättest Du nur nicht das Weib geschaffen, ich hätte nicht gesündigt, da Du sie mir nun aber zugesellet hast, so bist Du im Grunde genommen selbst der Urheber meines Falles. Der arme Adam hat in der Verwirrung seines Geistes ganz vergessen, was er sprach, als er Eva zum ersten Male erblickte: „Das ist doch Fleisch yon meinem Fleisch, und Bein von meinem Bein." Hätte er daran gedacht, so hätte er sich sagen können und müssen, daß er eben so gut hätte sündigen können, wie Eva, wenn die Versuchung an ihn herangetreten wäre, wie an sie, ja daß in und mit der Eva sein eigenes Fleisch und Bein gesündigt habe. Ganz dieselbe Verwirrung finden wir nun auch bei Eva. Auch sie lehnt die Schuld von sich ab und mißt sie der Schlange, im Grunde genommen aber Gott selbst bei, da er ja der Schöpfer derselben ist. Denn aus die Frage des Herrn, warum sie das gethan habe, antwortet sie: „Die Schlange betrog mich also, daß ich aß." Die Schlange ist die Ursache, daß ich sündigte, und da Du sie geschaffen hast, bist Du selbst die, Ursache. Das ist das Bild, das die Menschheit seit Adams Falle an sich