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Dibre Emeth · 1855-01-01 · 5-6 (1855) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
11 (1855)
Issue
5-6 (1855)
Date
1855-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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86 kann gefühllos bleiben, wenn er liest, wie unser hochgelobter Heiland über Jerusalem weint und ausruft: „O, Jerusalem, Jerusalem, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein versammelt unter ihre Flügel, aber ihr habt nicht gewollt." Jesus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit. Er liebt noch Jerusalem; er liebt noch sein Volk, die Juden, obschon sie auf der ganzen Erde zerstreut sind; denn seine Gaben und Berufungen mögen ihn nicht gereuen. Es ist daher nicht befremdend, daß, wer nur immer den lebendigen und wahren Gott liebt, wer nur immer den Herrn und Heiland, Jesum Christum, liebt, auch eine Gesellschaft zur Beförderung des Christenthums unter den Juden unterstützt. Und dann wiederum, meine christlichen Freunde, zweifle ich nicht, daß ihr in diesem Saale oft darauf hingewiesen worden seid, daß wir die Bibel von den Juden empfangen haben. Die alttestamentlichen Schriften sind alle von Israeliten geschrieben worden, und die neutestamentlichen Schriften sind von Juden geschrieben worden. Und wenn der Christ in der Sprache des lieblichen Psalmisten Israels Worte findet, welche ganz passen für den Ausdruck seiner eigenen Gefühle, welche es nur sein mögen, — Gefühle des Preises und Dankes für die Barmherzigkeit Gottes, Gefiihle dex Klage über seine eigenen Sünden, Gefühle des Zweifels, oder der Noth, oder der Angst, wenn er dann in der Sprache der Psalmen Worte findet, die ganz seinen Bedürfnissen und den Bewegungen seiner Seele entsprechen, kann er dann vergessen, daß der Schreiber dieser Psalmen David aus dem Stamm Juda war? In gleicher Weise, wenn er die Weissagungen Jesaias liest, — oder die Schriften des Neuen Testaments, wird er ebenfalls eingedenk sein, daß er sie von den Juden empfangen hat. Können wir uns daher wundern, daß alle, welche Freunde und Wohlthäter unserer Bibelgesellschaft sind, auch Freunde und Wohlthäter einer Gesellschaft zur Beförderung des Chriflenthums unter den Juden sein sollten? Und weiter, meine christlichen Freunde, was ist unsere Hoffnung für die Welt im Ganzen? Ich will auf keine zweifelhafte Frage der prophetischen Weissagungen eingehen; ich weiche vielleicht in der besonder» Meinung über einige Theile des Wortes Gottes von einigen meiner theuern und geschätzten

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