Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 11 (1855)
- Issue
- 5-6 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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69 Wie viel Einwohner hatte denn das Land zur Zeit Davids und Sa. lomos? Nun, gewiß nicht weniger, als sechs Millionen. Wie, sechs Millionen Menschen in einem Lande, lange noch nicht so groß wie Schlesien, ist das nicht eine Uebervölkerung, um so mehr, wenn man bedenkt, daß es ein Gebirgsland ist? Wird da nicht die größte Armuth geherrscht haben müssen? Aber wie stand es zu der Zeit? In der Geschichte Israels lesen wir die Antwort: herrlich; denn sie erzählt uns, daß gerade unter der Regierung dieser beiden Könige das Volk Israel am herrlichsten blühte. Von Salomo heißt es sogar: „Er machte des Silbers und Goldes zu Jerusalem so viel wie Steine, und der Zedern wie die Maulbeerbäume in den Gründen." T EHron. I, 15. Wie steht es nun aber jetzt in Palästina aus? Ach! das Land zählt kaum 200,000 Einwohner. Nach dem Grundsätze des Herrn Levy würden wir nun ohne alles Weitere annehmen müssen, daß sie im größten Wohlstände und im Ueberfluffe leben müßten. Aber ist dem also? Ach! nirgends ist wohl die Armuth größer, als in Palästina, und besonders unter den Juden. Doch die Uebervölkerung wird ja nicht als die einzige Ursache der Verarmung angegeben, und Herr Levy wird mich hier gerade sogleich auf die zweite verweisen, nämlich auf die Asketik, auf das kontemplative und mystische Studium. Wir geben zu, daß dies von den Juden in Jerusalem und Palästina fast ausschließlich getrieben wird , und daß man davon auch nicht satt und reich werden kann. Allein wollten sie auch dies Studium aufgeben und sich einer Profession, oder wie ihre Väter dem Ackerbau widmen, würde ihnen denn das gelingen, würden sie Beschäftigung finden? Wir glauben nicht, daß Herr Levy ja hiezu sagen wird; er wird daher auch zugeben müssen/ daß zur Verhütung und Abwendung der Verarmung eines Landes noch ganz andere Bedingungen erforderlich sind, als eine Verringerung der Einwohnerzahl, oder das Aufgeben eines kontemplativen Studiums. In Betreff des dritten Punkts steht doch die Sache auch nicht so glänzend, wie sie Herr Levy anzusehen scheint. Ja es war einmal eine Zeit, wo sich das Sprüchwort bewährte: „Das Handwerk hat einen goldnen Boden;" aber wo ist diese Zeit? Sie ist längst