Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 11-12 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554653-2554660--02174-2558036- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
189 Religion zu erwecken, damit Sie ernstlich den Herrn suchen, sein Wort lesen und nicht eher ruhen, bis Sie die volle Gewißheit Ihrer Seligkeit haben." „Als wir durch eine schmale Straße gingen, las ich den Namen D— und erinnerte mich dabei, daß dies der Name eines Juden von W— ist, der vor einigen Jahren getauft worden war, ohüe vorher gehörigen Unterricht genossen zu haben. Er ist Opticus; ich ging in seinen Laden und nannte ihm meinen Namen. Er freute sich sehr, mich zu sehen und sagte: „Ich kannte Sie, als Sie ein Knabe waren und habe oft von Ihnen gehört." Ich sprach mit ihm über seine Taufe, wobei er sich so äußerte: „Ich fand nie Wohlgefallen am Judenthum, darum wurde ich Christ; aber ich glaube, wer nur immer ehrbar lebt, der ist Gott angenehm." Ich sprach meine große Betrübniß über solche Aeußerung aus, erklärte ihm, daß meine Ueberzeugung eine ganz andere ist und bat ihn ernstlich, die Bibel zu lesen und täglich zu beten, wo er dann finden werde, daß er ein Sünder ist, und daß wir an Christo den Friedensfürsten haben, der für unsere Sünden gestorben ist und allen denen Frieden giebt, die ihn in wahrer Buße suchen." „Wenn ich mit solchen getauften Juden zusammentreffe, die nicht gehörig unterrichtet worden und unbekehrt sind, fühle ich immer großen Schmerz. Wie nothwendig ist es doch, gewissenhaft zu handeln und nicht sofort zu taufen, sondern gehörig zu unterrichten und treulich über jeden Getauften zu wachen!" „Der nächste Jude, den wir sahen, war Herr G. —, Präsident der hiesigen Synagoge. Er verließ sein Comptoire und widmete uns viel Zeit. Er erzählte uns, daß er von seiner Kindheit an den Talmud studirt habe, und daß seine Mutter außerordentlich betrübt war, als er das Studium desselben aufgab und Kaufmann wurde; daß er aber nicht anders handeln konnte, da er von der Thorheit des RabbiniSmus überzeugt war. Er sprach mit viel Kenntniß von der großen Unwissenheit und Bigotterie der Juden im Elsaß, und erzählte uns, wie er versucht, langsam, aber in kluger Weise Einfluß auf sie zu gewinnen, und er geht in der Thal mit viel menschlicher Weisheit zu Werke. Er bekannte, daß sich der Mensch ohne Religion nicht glücklich fühlt, und ich bewies ihm den großen Unterschied zwischen der jüdischen Reform und der Reformation unserer protestantischen Reformatoren, welche fest an das Wort Gottes glaubten, und Jesum als den Heiland anerkannten." Er: „Ich habe das neue Testament gelesen, und meine Frau sogar noch mehr: aber Jesus ist mir derselbe, wie Moses. Ich glaube nicht, daß einer von ihnen Wunder gethan hat." „Ich bewies ihm, daß, wenn das der Fall wäre, Mosesein Betrüger war, und ebenso Jesus, und beides Männer von keiner besonderen Moralität, wie er sie nannte. Darauf sprachen wir von