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Dibre Emeth · 1854-01-01 · 11-12 (1854) · page 28

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Journal
Dibre Emeth
Volume
10 (1854)
Issue
11-12 (1854)
Date
1854-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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188 gegen die Tradition übergeht, das spricht sich fast in allen Berichten über die Zustände Israels aus, und das hat auch der Schreiber dieses unzählige Male bestätigt gefunden. Auch der folgende Bericht des Herrn Predigers Hausmeister in Straßburg bestätigt dasselbe. Herr Hausmeister schreibt wahrscheinlich von einer Reise: „Wir gingen in der Stadt umher, um den jüdischen Lehrer ausfindig zu machen. Endlich waren wir so glücklich, seine Wohnung in einem andern Theile der Stadt, als wo der Rabbi wohnt, zu finden. Mit diesem netten jungen Manne, der erst seit Kurzem mit einer Jüdin aus Paris verheirathet ist, waren wir bald in einem ernsten religiösen Gespräche. Im Laufe desselben äußerte er sich: „In der hiesigen jüdischen Gemeinde sind nicht drei Männer, welche mich verstehen würden, wenn ich in dieser Weise mit ihnen über Religion spräche, und wenn ich es thäte, würde das meiner Stellung hier sehr schaden. Wenn wir Lehrer uns der Freiheit erfreuen könnten und Vermögen hätten, dann könnten wir auch nach der Wahrheit forschen und frei sprechen." Darauf erwiderte Herr D—: Ich war elf Jahr jüdischer Lehrer und habe während Vieser Zeit ernstlich in der Schrift gesucht und endlich meine Stellung aufgegeben, um nicht heucheln zu müssen, weil ich nach großen innern Kämpfen überzeugt war, daß Jesus wahrhaftig der Messias, mein Gott und Heiland ist. Als ich meine Entlassung einreichte, hatte ich eine Frau und drei Kinder und kein Haus oder Geld, sondern allein Glauben an Gott; und obschon ich durch große Trübsale und Versuchungen gehen mußte, so bat mich doch Gott nie verlassen. Darum, mein Freund, fahren Sie ruhig, aber aufrichtig fort, die Wahrheit zu suchen. Ich weiß wohl, es ist durchaus nicht leicht nach der Wahrheit zu handeln, aber ich weiß auch, daß Gehorsam gegen Gott, und ein Leben in Uebereinstimmung mit seinem Willen große Seligkeit gewährt und Segen bringt." Er: „Aber wenn ich nach meinem Gewissen und ehrbar lebe, dann kann ich auch Frieden und Seligkeit finden." Ich: „Es ist uns nicht erlaubt, unsere eigene Gesetzgeber zusein, wir haben ein Gesetz von Gott gegeben, und wir müssen uns prüfen, wie wir dasselbe befolgen. Thun wir das, dann werden wir bald finden, daß wir Sünder sind und eines Erlösers bedürfen, und zwar eines persönlichen, und nicht blos, wie Sie meinen, einer messtanischen Zeit." In dieser Weise sprachen wir lange mit ihm, und endlich sagte Herr B—: „Meine Herrn, Ihr Besuch macht mir viel Vergnügen, aber ich kann nicht sagen, daß Sie mich überzeugt haben." Ich: „O! das ist ganz natürlich. Man kann nicht erwarten, daß eine so kurze Unterredung dies zu thun vermag. Aber wir wünschen, daß wir das Mittel sein möchten, Ihr Interesse an der

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