Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 11-12 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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183 Lade gestellt und derselbe Psalm wurde dreimal wiederholt. Die Kanzel, welche mitten in der Synagoge steht und sehr geräumig ist, war mit Zuschauern überfüllt, und ich selbst war unter ihnen." „Als der Gesang beendigt war, bestieg der Oberrabbi die Kanzel, und Alle, ich ausgenommen, mußten dieselbe verlassen. Ich wollte auch hinunter gehen, aber der »nm oder Synagogendiener brachte mir einen Stuhl, und bat mich, da zu bleiben. Nachdem der Nabbi seinen n^a umgenommen hatte (ein Mantel mit langen Fransen,>) (siehe Matth. 9, 29), hielt er eine im Hebräischen geschriebene Predigt über 5 Mos. 14, 1: „Ihr seid Kinder des Herrn, eures Gottes; ihr sollt euch nicht Maale stechen — über einem Todten." Die Sprache war mehr practisch als rührend, und sehr Wenige verstanden nur, was er meinte. Dann sprach er frei im Arabischen über Jerem. 22, 10: „Weinet nicht über die Todten, und grämet euch nicht, weinet aber über den, der dahin ziehet;" oder wie er übersetzte: „Weinet um den, der da wandelt," d. i. um den Lebenden. „Weinet und trauert nicht," sagte er, „um diesen Mann hier in dem Sarge, der scheinbar todt ist; denn er ist nicht todt, sondern schläft — er war ein gerechter Mann, und die Gerechten leben selbst dann, wenn sie todt sind. Gott nennt sich selbst den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, nachdem sie aus dieser Welt weggenommen waren, und er ist nicht der Gott der Todten, sondern der Lebendigen.* 2)" Davids Tod wird Schlaf genannt; „David entschlief mit seinen Vätern" (Kor. 2, 10), und auch „Hiskia entschlief mit seinen Vätern" (2 Kön. 20, 21.) Darum weinet und trauert nicht über ihn, sondern weinet um die, die da wandeln, — welche noch leben; denn wir wissen nicht, ob sie sterben werden „den Tod der Gerechten oder der Gottlosen." Dann pries er den Verstorbenen, dessen Name Jakob war, oder Dakob Kabo, sehr und verglich ihn mit seinem Namensvetter Jakob, dem „Patriarchen." Ich bemerkte mehrere Juden sehr unzufrieden damit, daß es mir verstattet war, mit dem Oberrabbi aus der Kanzel zu bleiben. O, wie sehr wünschte ich, daß es mir, nachdem der Rabbi geendet hatte, erlaubt sein möchte, ihnen von derselben Kanzel und über dieselben Terte zu predigen und zu zeigen, daß sie nicht „Kinder des Herrn, ihres Gottes" genannt werden können, blos deswegen, ') 3m Deutschen heißt es Saum. 2) Augenscheinlich aus dem Neuen Testamente; es find Worte unseres Herrn.