Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 11-12 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554653-2554660--02166-2558028- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
181 ungläubig sind, und welche vom Judenthume Nichts als den Namen haben, ein Kampf um die Herrschaft entstehen wird. Beide Theile sind dem Christenthume, wie überhaupt jeder geistlichen Religion feindselig. Auf der anderen Seite werden wir von dem Zugänge deutscher Fanatiker sehr bedroht, welche, wie es scheint, in großer Zahl nach Jerusalem kommen wollen, um daselbst die Ankunft des Herrn zu erwarten. Diese werden uns, wie ich fürchte, weit mehr Mühe machen, als selbst die Juden." Es dürfte wohl besonders unfern jüdischen Lesern nicht unlieb sein, etwas Näheres über das Ende und Begräbniß des Oberrabbi zu Jerusalem zu hören. Es liegt uns ein Bericht darüber vor von dem Prediger Lauria in Cairo, der bei dem Begräbnisse zugegen war; wir theilen hier denselben mit. Herr Lauria berichtet: „Der Oberrabbi von Jerusalem, welcher hierher gekommen war, um für seine armen Brüder im heiligen Lande Geld zu sammeln, und eben im Begriff, war, zu demselben Zwecke nach Europa zu gehen, starb hier am 17. August in dem Alter von 86 Jahren. Er war freier gesinnt und wußte mehr von der Welt, als mehrere seiner Vorgänger, die ich persönlich kannte. Nach der Meinung des hiesigen Oberrabbi ist jetzt Niemand in Jerusalem, der würdig wäre, sein Nachfolger zu sein. Da er vom Sultan in sein Amt eingesetzt war, *) der ihm den Titel eines Obersten gab, >) Die Oberrabbiner von Jerusalem, welche sich jvx1? paw „Häupter in Zion" nennen und Macht und Ansehen haben, die Rabbinen an andern Orten im Oriente zu wählen und einzusctzen, zu verwerfen und abzusetzen, werden jetzt in Folge des zanksüchtigen Geistes und der unaufhörlichen Streitigkeiten unter den Juden in Jerusalem, gleich den Hohenpriestern im zweiten Tempel, von den nicht jüdischen Herrschern auf Empfehlung der einstußreichen Juden in Konstantinopel eingesetzt. Ich selbst bin im Jahre von 1847 zu 48 Zeuge gewesen, wie zwei Parteien Juden mit Stöcken bewaffnet, in der Synagoge einander tüchtige Schläge ertheilten, da jede Partei wünschte, ihren leitenden Rabbi mit Gewalt auf den Thron des verstorbenen Hauptes in Zion zu bringen. Ihr Bethaus wurde buchstäblich zu einer Höhle von