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Dibre Emeth · 1854-01-01 · 11-12 (1854) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
10 (1854)
Issue
11-12 (1854)
Date
1854-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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174 politischen Himmels mit Freuden die schöne Morgenröthe des herrlichen Tages anbrechen, welcher die Welt mit den goldnen Strahlen der Schönheit, des Friedens und der Glückseligkeit umgeben wird. In der That glauben Viele die Herrlichkeit des tausendjährigen Reiches so nahe, daß sie sich einbilden, jeden Tag Zeuge der Auflösung des jetzt bestehenden Systems sein zu können. Der Chacham in Artakeui, ein berühmter Kabalist, hat bereits die Weissagung im Joel 2, 88: „Eure Aeltesten sollen Träume haben" in sich verwirklicht gesehen, und die Einführung seiner nächtlichen Vision geschah in der feierlichen Weise, daß am Montage den 3. ein allgemeines Fasten angekünvigt, und am Mittwoch den 5. feierlich gehalten wurde. Ein anderer alter Mann, welcher sich sein Brot als ein herumreisender Handelsmann erwirbt, hat im Dunkel der Nacht und in der ominösen Nachbarschaft des jüdischen Kirchhofes wirklich mit dem Könige Israels gesprochen, welcher ihm in seiner Herablassung die bevorstehenden Leiden der gottlosen Heiden und die unvergleichc Herrlichkeit des gerechten Israels verkündigte. Diese Träumereien und Gemälde einer erhitzten Phantasie der orthodoxen und bigotten Partei der Synagoge finden nur schwachen und zweifelhaften Anklang in der Brust des aufgeklärten und besser unterrichteten TheilcS der Gemeinde. Diese glauben in der That, daß der Krieg, welcher so ungern heraufbeschworen wurde, die Götzen, welche Unwissenheit und Fanatismus so lange angebetet haben, zerstören und allen Bewohnern des Ostens den Weg zum Licht und zur Erkenntniß bahnen wird. Dem Missionar, welcher nicht über die Geheimnisse der Politiker spekulirt, bietet die gegenwärtige Krisis genug Stoff dar, die Aufmerksamkeit des verstocktesten und hartnäckigsten Juden zu fesseln und sein Ohr für sich zu gewinnen. So kamen am Freitage den 28. März drei Juden in unser Bücherdepot und fragten, ob ich nicht jüdische Gebetbücher hätte. Ich zeigte ihnen unsere Liturgie, aber sie gaben sie mir mit großem Schrecken zurück, indem sie sagten: „Das ist ein Buch der Apikarsinn" (Abgefallenen). Ich bat sie, ihr Uriheil zu verschieben, bis sie ihren Inhalt kennen gelernt hätten, und zeigte ihnen zugleich die Collecte am ersten Sonntage deö Advents. Dies veranlaßte

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