Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 11-12 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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171 daher kann er denn auch nur wünschen und nicht nur wünschen, sondern auch beten, und von ganzem Herzen beten, mit Aufgebung aller eigenen Interessen, daß Gott die Schlachten so lenken und' solche Siege geben wolle, woraus seine Allmacht und Weisheit erkannt, sein Ruhm verherrlicht und sein Reich verbreitet werde. Daraus folgt nun aber nicht, wie man vielleicht zu schließen und anzunehmen geneigt sein möchte, daß der Christ bei solchen Gebeten und Wünschen nicht auch seine eigene Ansicht und Meinung haben, sich nicht für diese, oder jene Partei entscheiden könne, sondern ganz gleichgültig und ein gedankenloser Zuschauer bleiben müsse.- Nein, das hieße das Wesen des Menschen, das Denken verläugnen. Das aber vermag kein Mensch, am wenigsten der gläubige Christ; er denkt erst recht. Aber sein Denken hat eine bestimmte und feste Norm, von der es geleitet wird, das ist die heilige Schrift. Die Schrift aber fordert vor allen Dingen Gerechtigkeit und Wahrheit, und auf welcher Seite der Christ die findet, zu der wird er sich schlagen, der wird er den Sieg wünschen. Aber die Schrift sagt auch, daß es Gott ist, der den Frieden giebt und das Uebel schaffet, und daß Jedermann unterthan sein soll der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat, daher sich denn auch Niemand der Obrigkeit wird widersetzen dürfen, selbst dann nicht, wenn sie seiner Meinung nach einen ungerechten Krieg beschlossen hat und führt. Er wird nur beten können, daß Gott der gerechten Sache den Sieg verleihen und die Schlachten so lenken möge, daß seine Ehre verherrlicht, sein Reich verbreitet werde und den armen Menschenkindern Heil daraus erwachse, dann aber wird er dem Rufe seines Königs und Feldherrn folgen und in jeder Weise seine Pflicht und Schuldigkeit thun, und das Alles um so williger und freudiger, weil er weiß, daß Gott eS ist, der den Krieg sendet zur Züchtigung und Strafe der Menschen, und daß er es ist, der in das Verborgene schaut und Herzen und Nieren prüft, und daher auch am Besten weiß, auf welcher Seite die größte Ungerechtigkeit ist, die dem menschlichen Auge verborgen bleibt. Die Schrift ist daher in jeder Hinsicht eine sichere Norm für den wahren Christen, wie er sich verhalten soll. Der gegenwärtige Kampf im Oriente hat aber für den Christen