Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 11-12 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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163 ahnen angefangen, daß sie nimmer zu Hott kommen können ohne Sühne und ohne Versöhner. Doch sagen wir nicht zu viel. Vielleicht, ja wahrscheinlich ist diese Erkenntniß ihnen erst so keimartig zu Theil geworden, daß sie nur ihr irdisches Leben oder ihre Versündigungen gegen die Entschlafenen durch den Tod derselben an sich und für sich gesühnt wissen wollen. Alsdann aber liegen in ihrem Gedanken so viele offenbare Widersprüche, daß derselbe, wenn das Gebet nicht eine bloße Phrase sein soll, nur durch jenen in ihr Bewußtsein dunkel hereinspielenden liefern Hintergrund Bedeutung und Wahrheit erhält. Aber selbst, wenn sie die ganze Tragweite ihres Gebetes zu ermessen vermöchten, so läge demselben doch immer noch ein schwerer Jrrthum zu Grunde, nämlich der, daß ohnmächtige und sündige Menschen, die vor Gott, so hoch sie immer, nach menschlichem Maaß gemessen, in sittlicher Beziehung stehen mögen, nicht einmal für sich selbst Genugthuung zu leisten im Stande sind, durch ihren unfreiwilligen Tod für Andere zurSühne werden könnten. Von diesem Jrrthum frei zu sein und doch mit dem Münchener Gebet aus vollem Herzen eine Sühne ersehnen, heißt ein ächter alttestamentlicher Jude sein, von dem freilich nur noch ein Schritt ist zum neutestamentlichen Christen. Denn wollt Ihr wissen, was das Christenthum ist? Das Christenthum ist die wahrhafte Ziihne durch den wahrhaften Versöhner. Doch darüber vielleicht ein anderes Mal mehr. Die allgemeine Zeitung des Judenthums bringt jetzt öfters kürzere oder längere Mittbeilungen aus Jerusalem über die Zustände der Juden in. dieser Stadt, wie überhaupt im heiligen Lande, und läßt es dabei an Entstellungen und Schmähungen der Mission und der Missionare nicht fehlen. So lesen wir in einem Artikel in Nr. 42: „Glauben Sie mir, daß hier viele hundert Juden die Betreibung des Ackerbaues wünschen, die hohe Pforte hat erlaubt, tu Palästina Land zu pachten rmd zu kaufen, und so 11*