Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 9-10 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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150 folgte dem ihm gegebenen Rathe und blieb den Sabbath über ruhig in dem Gasthofe, zu dem er hingewiesen Wochen war, Zwischen den Heuschobern fand er daselbst ein ruhiges Plätzchen, wo er sein Herz im Gebete vor Gott ausschütten und das hebräische Reue Testament lesen konnte. Bei einer Gelegenheit litt er auf kurze Zeit Schiffbruch.an seinem Glauben. Von der Versuchung, die er zu bestehen hatte, spricht er also: „Als ich auf meiner Reise in eine Stadt kam, wo eine große Anzahl Chasidim leben, und daselbst über Nacht blieb; sah ich mich von einer Anzahl dieser fanatischen Secte umgeben. Sie bemerkten, daß ich verschiedene Bücher in meinem Felleisen hatte, und begierig ihren Inhalt zu kennen, ergriffen ste die Gelegenheit, als ich die Stube verlassen hatte, dieselben zu untersuchen. Als ich zurückkehrte, fand ich sie sehr aufgeregt. Sie riffen mehrere Blätter aus dem Neuen Testamente und überluden mich mit Vorwürfen' und Flüchen als einen Ungläubigen. Ich sah ihnen kühn ins Gesicht und blieb ganz ruhig. Endlich rief einer im großen Aerger mit lauter Stimme: „Warum haben Sie solche verbotene Bücher bei sich? Ihre Erscheinung und Kleidung zeigen, daß Sie kein Ungläubiger oder Abtrünniger sind. Gott behüte Sie, daß Sie nicht ein Abtrünniger werden und den lebendigen Gott verlassen." Ich erwiederte: Nein, ich werde nie den lebendigen Gott verlassen." Darauf entgegnete er: Nun dann beweisen Sie es uns damit, daß Sie dies Buch (das Neue Testament) verbrennen." Ich sagte: „Nein; ich bedarf diese Bücher zu meinem Gebrauche." Dies vermehrte ihre Wuth außerordentlich. Endlich, überwältigt von ihrem Lärm und ihrer Wuth, und erschreckt durch die feurigen, zornigen Blicke dieser fanatischen Chastdim, gab ich nach und riß einige Blätter aus dem Neuen Testamente. Dies beruhigte ihren Aerger einiger Maßen, und ich war dankbar, daß ich meine Reise weiter fortsetzen konnte." „Hbschon ich in dieser Weise gefehlt hatte," fügt Herr B. hinzu, „so war doch Gottes Gnade gegen mich jeden Morgen neu, und seine Treue gab sich mir fortwährend kund. Gelegentlich traf ich mit einigen christlichen Freunden zusammen, an die mich Herr Moritz empfohlen hatte. Diese behandelten mich mit großer Liebe und halfen mir fort, auf meinem Wege, indem sie mich mit Geld unterstützten, ohne daß ich sie darum bat. Dessenungeachtet konnte ich nur nach und nach Vertrauen zu den Christen gewinnen. Von meiner frühesten Jugend an waren mir Vorurtheile eingehnpst worden, und ich hatte so manches gesehen und erfahren, wodurch ich in diesen Vorurthcilen bestärkt wurde. Ich wußte, wie ungerecht mehrere Juden in Folge übler Behandlung von ihren christlichen Nachbarn gelitten hatten." „Als ich am 14. September, nachdem ich Witepsk passirt