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Dibre Emeth · 1854-01-01 · 9-10 (1854) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
10 (1854)
Issue
9-10 (1854)
Date
1854-01-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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149 Abscheu hatte. Bisher hatte ich immer als ein strenger Jude'und unter Juden gelebt; Alles war mir neu und fremd. Als ich die Stadt verließ, überfiel mich ein tiefes melancholisches Gefühl und ich rief aus: Adieu, meine Vaterstadt; Adieu Verwandte und Freunde! Ein Strom von Thränen floß über feine Wangen, und ich rief abermals: Adieu, meine theure Mutter! Adieu, viel geliebte Schwester! Adieu, theurer Vater! Noch einmal Adieu, zärtliche Mutter, deren Hoffnungen nie erfüllt werden können! O, daß ich dich trösten und dir helfen könnte, wenn du von dem Schritte hörst, den ich gethan habe; aber.das ist nicht möglich. Gott tröste dich." Mit solchen Gefühlen trat B örlin g seine Pilgerreise an. Ein anderer Sohn Abrahams hatte ihm 'versprochen, ihn nach Petersburg zu begleiten, und seinen Glauben an Christum dort zu bekennen. Nachdem Börling einige Zeit an einem bestimmten Orte nahe der Stadt auf ihn gewartet hatte, kam er und sagte ihm, daß er noch Manches zu ordnen hätte, daher er seine Abreise verschieben müsse. Dieser Mann verrieth jedoch den Plan, den Börling entworfen hatte, und dieser kam daher in Gefahr, ergriffen und mit Gewalt zurückgeführt zu werden; aber Gott leitete es so, daß er dieser Gefahr entging und ohne Schwierigkeit ein gutStück vorwärts kam. Endlich jedoch drohten ihm neue Gefahren. Alle Gasthöfe auf der Straße, die er wanderte, gehörten Juden, da die Juden die alleinige Volksklasse sind, welche in vielen Theilen Polens und Rußlands Gasthöfe haben. Börling trug;bie den polnischen Juden eigenthümliche Kleidung; er hatte langes Haar und einen langen Bart. Deutsch sprach er sehr unvollkommen, da er immer gewohnt-gewesen war, entweder hebräisch oder jüdisch-deutsch, das ist ein verdorbenes Deutsch mit polnischen rmd hebräischen Wörtern vermischt, zu sprechen. Aber der Gott, der ihm befohlen hatte auszugehen, war mit ihm, und seine heiligen Engel begleiteten den fremden Pilger. Er hat verschiedene Beispiele erzählt, wie er auf wunderbare Weise von den Gefahren, die ihn umgaben, errettet wurde. So, als er die.Stadt Radomischie erreichte. Da es Freitag war, glaubte er, es möchte gut sein, wenn er den Sabbath über daselbst bleibe, da er sich der Gefahr aussetzen könnte, wenn er in einer Gegend, wo viele Juden leben, am Sabbath reiste. Als jedoch sein Paß der Polizei gezeigt wurde, so schickte man »ach ihm. Der Polizeidirector nahm ihn mit sich in sein Zimmer und erkundigte sich nach dem Zwecke seiner Reise. Als er diesen vernahm, sagte er: „Bleiben Sie ja nicht hier, sie sind in Gefahr, von den Juden ermordet zu werden. Gehen sie weiter nach einem Orte, einige Meilen von hier, und bleiben Sie daselbst den Sabbath über. Nehmen Sie meinen Rath an, aber thun sie weiter keine Frage, ich weiß sehr wohl, was ich sage und warum ich Ihnen diesen Rath, gebe:" Der Direktor gab ihm einen halben Silberrubel und entließ ihn. Er

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