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Dibre Emeth · 1854-01-01 · 9-10 (1854) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
10 (1854)
Issue
9-10 (1854)
Date
1854-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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151 Hatte, ein einsames Haus erreichte und um ein Nachtlager bat, wurde mir diese Bitte abgeschlagen. Die Hausfrau sagte: „Unser Haus ist kein Gasthof; Sie können im nächsten Dorfe bei Ihren Religionsverwandten ein Nachtlager finden." Ich erklärte ihr jedoch so gut ich es in meinem gebrochenem Deutsch vermochte, die Ursache, warum ich die Reise unternommen hatte. Sie ries ihren Mann und den Polizeisecretair. - Der letztere untersuchte meinen Paß ic., dann drückten mir beide die Hände, hießen mich willkommen/ unterhielten mich auf die angenehmste Weise, gaben mir eist ausgezeichnetes Abendbrod und bereiteten mir ein Bett. Ich konnte jedoch nicht vergessen, was ich so oft von der schlechten Behandlung, welche die Juden häufig von Christen erduldet haben, gehört hatte. Es war das erste Mal in meinem Leben, daß ich bei einem Christen im Hause die Nacht verbrachte, und ich dankte Gott, als ich den Tag anbrechen sah und mein Bett verlassen konnte. Wie ungerecht war-mein Argwohn gegen diese guten Leute! Sie wollten mir nicht gestatten, fie zu verlassen, ohne an einem guten Frühstücke Th eil zu nehmen. Sie machten mir ein Geschenk, und ihre Güte beschämte mich und zeigte mir, wie verderbt mein Herz ist.". „Aber, nicht überall wurde mir solche Liebe von Christen zu Theil. In Sarath trat ich in einen kleinen Gasthof ein, legte mein Bündel ab, und band den Gürtel los, den ich um meine Lenden hatte, indem ich beabsichtigte, daselbst über Nacht zu bleiben/ Aber ich erkannte bald, das ich nicht in das rechte Haus gekommen war. Die Stube füllte sich bald mit Soldaten, Bauern und jungen Frauenspersonen, welche sich sehr unanständig betrugen. Ich beschloß daher, diese Höhle der Finsterniß zu verlOssen. Als ich' ft>rtgehen wollte, fand ich, daß mir mein Gürtel und verschiedene andere Dinge gestohlen waren. Ich nahm mein Bündel unterm Arm und floh aus dem Hause. Aber was war nun zu thun? Es war Nacht. Es war ein jüdischer Gasthof am Orte, aber es war Freitag, der Sabbath hatte begonnen und die Juden dürfen an diesem Tage nicht reisen/ Ich nahm meine Zuflucht zu Gott. Mit vielen Thränen rief ich zum Herrn: „O Gott, wohin soll ich gehen, zeige mir, lehre mich den Weg, den ich gehen soll. Du hast mir bis hieher geholfen, hilf mir nun weiter; siehe auf mich in meiner Noch." Während ich so betete, hörte ich in der Ferne den Klang der Sch elle einest CoUrierwagens. Ich fühlte sogleich, hier ist Hülfe für dich. Ich eilte auf die Straße und rief dem Courier, daß er halten möchte. Er that es, aber als ich mich ihm näherte, rief er mir mit roher Stimme zu: „Was wollen Sie, Jude?," Ich bat ihn, mich bis zur nächsten Station mitzunehmen', und erbot mich, dafür zu zahlen. Er sagte: „Aber Sie sind ein Jude; Sie können nicht wünschen jetzt zu reisen, da Ihr Sabbath bereits begonnen hat." Ich erwiderte: „Nehmen Sie mich nur mit, ich will Ihnen meine ganze Geschichte

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